Quo Vadis, Kölner Haie? – Auswärtsspiel in Iserlohn ein Endspiel für Sundblad?

03.01.2016, Lanxess Arena, Kšln, GER, DEL, Kšlner Haie vs Grizzly Wolfsburg, im Bild Gustaf Wesslau (Torwart Koeln) (re.) und Fredrik Eriksson (Kšln #33) verteidigen gegen Sebastian Furchner (Wolfsburg) Foto © nordphoto / Mueller
Gustaf Wesslau (Torwart Koeln) (re.) und Fredrik Eriksson (Köšln #33) verteidigen gegen Sebastian Furchner (Wolfsburg) Foto © nordphoto / Mueller

Das heutige Spiel der Kölner Haie in Iserlohn wird kein leichtes. Iserlohn ist, wie eigentlich so oft, das Überraschungsteam der Liga und ist gerade vor eigenem Publikum kaum zu bezwingen.

Schlechtes Timing also für die Haie, die nach der vergangenen Heim-Niederlage gegen den ERC Ingolstadt (3:4) nur noch einen Punkt Vorsprung auf einen Nicht-Playoff-Platz haben. Nicht wenige Anhänger des KECs hoffen bereits auf weitere Niederlagen, um Cheftrainer Niklas Sundblad gehen zu sehen – manche warten beinahe sehnsüchtig auf Fehler des Teams. Doch die Frage ist: Inwiefern ist es die Schuld des Trainers, dass der Erfolg der Mannschaft ausbleibt?

Die Neuzugänge

Bislang hinken die teuren Neuzugänge ihren hohen Erwartungen noch teilweise weit hinterher. Während der hochgehandelte Kanadier Jason Williams aufgrund einer hartnäckigen Rückenverletzung erst nur sieben Spiele (zwei Assists) bestreiten konnte, fehlt bei Angreifer Per Âslund das Durchsetzungsvermögen. Kaum ein anderer Spieler erhält mehr Eiszeit als der Schwede. Vor Saisonbeginn erwartete Sundblad einen Spieler, der „viel Energie mitbringt“. Von dieser Energie ist bis jetzt wenig zu spüren. Man muss kein Eishockeyexperte sein, um das enorm hohe Potential in seinen Bewegungen erkennen zu können. Doch schon in seiner Heimat sagte man ihm mangelnden Ehrgeiz und Willen nach. Viel zu selten lässt er sein Können aufblitzen.

Nur wenige Neuzugänge konnten bisher wirklich überzeugen. Einer von ihnen ist Torhüter Gustaf Wesslau. Kaum ein anderer Torwart der Liga muss durchschnittlich so viele Schüsse parieren, wie er. Trotz der instabilen Verteidigung, die regelmäßig Fehler im eigenen Drittel produziert, kommt Wesslau auf eine Fangquote von 92,9 Prozent. Kein Wunder also, dass die Haie am Ende des vergangenen Jahres seinen Vertrag um zwei weitere Jahre verlängerten.

Auch Patrick Hager und Frederik Eriksson konnten über die bisherige Saison gesehen überzeugen. Hager produziert in der erfolgreichsten Haie-Reihe rund um Philip Gogulla und Ryan Jones regelmäßig Chancen und hat – stand heute – die zweitmeisten Tore aller Kölner vorbereitet. Zudem ist der nur 1,78 Meter große Center ein Energiebündel, einer der wenigen Spieler, die auch mal die nötige „schmutzige“ Arbeit machen. Eriksson, der zusammen mit DEL-Rückkehrer Shawn Lalonde ein Defensivpaar bildet, sorgt dagegen für jede Menge Gefahr im Powerplay. Der Ex-Nürnberger kann nicht nur den tödlichen Pass spielen, sondern auch durch sein ausgezeichnetes „Hockey-Brain“ den Gegner lesen und selber für Tore sorgen.

Das System

Ob das gescheiterte Powerplay mit zwei Angreifern an der blauen Linie, das passive Spiel im Mitteldrittel oder das konsequent fehlerhafte Aufbau- und Verteidigungsspiel in der eigenen Zone – das Spiel der Kölner Haie hatte und hat immer noch jede Menge Baustellen. Bereits acht Shorthander (Gegentore im eigenen Powerplay) hat man sich gefangen, alle nach ein und demselben Schema: der Pass zwischen den jeweiligen Bluelinern wird abgefangen und es kommt zum Konter. Auch in der eigenen Zone häufen sich die Fehler, oftmals schenkt man viel zu schnell den Puck wieder her und lädt die Gegner zu besten Chancen ein. Doch kann man dies auf das System schieben? Oder sind es doch individuelle Fehler? Zuletzt waren die Spieler nicht in der Lage, sich Momentum zu erspielen oder es zu halten. Zu was dieses Team mit dem nötigen Aufschwung in der Lage ist, hat man zu Saisonbeginn gesehen, als man regelmäßig Spiele drehen und gewinnen konnte.

Ist es die Schuld des Trainers, dass von den namenhaften Import-Neuzugängen nur die wenigsten ihre Leistung abrufen? Auf der einen Seite ist es schließlich die Aufgabe des Trainers das Bestmöglichste aus seinen Spielern herauszuholen. Zudem hat Sundblad Summen für Spielergehälter ausgeben dürfen, die es in diesem Maße wahrscheinlich selten, wenn nicht sogar nie, in Köln gab. Aber: In der Regel haben die Haie nur knapp verloren. Auch wenn man sich von diesen Zahlen am Ende des Tages nichts kaufen kann, haben die Haie von ihren 16 Saisonniederlagen neun Mal nur mit einem Tor Unterschied verloren (Tore durch Empty Net wurden abgezogen). Und: Der Teamgeist ist groß. Die emotionale Rede von Kapitän Moritz Müller nach dem Sieg gegen die Augsburger Panther im Dezember („Wir suchen noch den Schlüssel, aber jeder konnte sehen, dass wir es wollen“) oder das laute Fluchen nach Spielende in den Katakomben der Arena – das Team lebt. Doch wie soll es nun weitergehen? Sundblad wirkte erschöpft und ratlos nach der bitteren 3:4-Niederlage gegen sein Ex-Team aus Ingolstadt. Das Spiel heute gegen die Iserlohn Roosters (17:45 Uhr auf ServusTV) könnte für ihn zum Schicksalsspiel werden. Böse Zungen behaupten, dass bei einer erneuten Niederlage das Traineramt bei den Kölner Haien neu besetzt werden würde. Doch das Ziel muss sein mit Sundblad und seinem Team weiter zusammenzuarbeiten; irgendwie mit allen Mitteln in die (Pre-)Playoffs zu gelangen. Gegebenenfalls noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv zu werden, um dort einen weiteren Top-6-Verteidiger zu verpflichten, da Sulzers Verletzungsanfälligkeit den Haien bereits mehrfach einen Strich durch die Rechnung machte.

Dass Sundblad die Playoffs „beherrscht“, hat er bereits vor wenigen Jahren mit Ingolstadt bewiesen, als er mit den Panthern über die Pre-Playoffs bis ins DEL-Finale durchmarschierte und schließlich gegen seinen heutigen Arbeitgeber in Spiel 7 den Titel gewinnen konnte. Also, liebe Haie. Quo vadis?

Autor: Johannes Scholl

Journalist und Eishockeyspieler instagram: bettercallscholl

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