Düsseldorfer EG: Vorne Hui, hinten (noch) pfui.

Die Düsseldorfer EG zeigt sich zu Saisonbeginn offensiv stark, aber anfällig

von: Christopher Damm

Die Düsseldorfer EG gewann am gestrigen Sonntag nach leidenschaftlichem Kampf gegen die hochgehandelten Adler aus Mannheim mit 4-3 nach Penaltyschießen und konnte dabei am 4.Spieltag der frischen Saison den ersten Heimsieg erzwingen. Den Saisonauftakt vor zehn Tagen gegen die Augsburger Panther verlor man gegen eine effiziente und clever agierende Mannschaft, die jeden individuellen Fehler brutal bestrafte mit 2-4. In beiden Heimspielen, als auch bei ihren beiden bisherigen Auswärtsauftritten in Bayern, (vergangenen Sonntag gewann man nach einer starken Leistung bei den Straubing Tigers mit 6-3, am Freitag verlor man bei den äußerst formstarken Thomas Sabo Ice Tigers mit 3-5) deutete das neuformierte Team von Trainer Mike Pellegrims das Potenzial an, was in ihr steckt.

Als Mathias Niederberger den letzten Penalty vom NHL-erfahrenen Neuzugang Devin Setoguchi halten konnte, stürzte sich das Team der DEG auf ihren Torwart. Nach einer mitreißenden Eishockeypartie im Düsseldorfer ISS Dome, bei der die DEG stets ebenbürtig war und den Adler Mannheim die zweite Niederlage am Wochenende hinzufügte, war der Jubel im weiten Rund sehr groß.

Vor knapp 5900 Zuschauern legte die DEG los wie die Feuerwehr und ging nach zwei Spielminuten durch Stephan Daschner mit 1-0 in Führung. Die beiden Neuzugänge Jeremy Welsh und John Henrion bereiteten den Treffer nach schönem Spielzug vor. Weiter agierte das Team von Mike Pellegrims äußerst giftig und leidenschaftlich und konnte auch offensiv im 1. Drittel immer wieder Nadelstiche setzen. Trotzdem glichen die Kurpfälzer in der neunten Spielminute aus; Matthias Plachta fälschte einen Schuss von Sinan Akdag ab. Anschließend konnte die DEG zwei Überzahlsituationen nicht nutzen, und es ging mit einem 1-1 in die erste Drittelpause. Im zweiten Drittel ging es mit hohem Tempo in Düsseldorf-Rath weiter, in dem die DEG beinahe in Unterzahl durch den neuen Kapitän und Neuzugang Darryl Boyce in Führung hätte gehen können, wenn er den erzwungenen Puckverlust der Mannheimer Defensivleute ausgenutzt hätte(36.).

Im weiteren Spielverlauf verteidigte die DEG mit viel Einsatz und versuchte, die stark-besetzten Mannheimer nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Insbesondere der formstarke Bernhard Ebner und Brandon Burlon, Neuzugang aus Übersee wussten zu gefallen. Da auch die Düsseldorfer EG nicht traf, ging es mit dem 1-1 in die 2.Drittelpause. Auch im dritten Drittel hatte die DEG die Zeichen auf Angriff gestellt, ließ jedoch zunächst erneut eine Überzahlsituation ungenutzt(41.). Wenig später ließ John Henrion die rot-gelbe Anhängerschaft aber dann jubeln, als er sich im gegnerischen Drittel die Scheibe erkämpfte, und das Spielgerät an der Fanghand von Nationaltorwart Dennis Endras vorbei im Tor der Adler Mannheim unterbrachte und die DEG mit 2-1 in Führung brachte(44.). In dieser Phase der Partie setzte sich die DEG immer wieder im Drittel der Mannheimer fest, und erhöhte vier Minuten nach der erneuten Führung durch den dritten Saisontreffer von Spencer Machacek auf 3-1(48.). Bernhard Ebner hatte von der blauen Linie abgezogen, der Neuzugang aus Berlin konnte den Puck entscheidend abfälschen. Im Gegenzug konnten die Adler jedoch wieder verkürzen, Chad Kolarik erzielte das 2-3 in einer wunderschönen Art und Weise, die man auf der eigenen Konsole nicht besser hätte erzielen können. Kolarik fuhr alleine auf den gestern starken Mathias Niederberger zu, legte sich die Scheibe von rechts zwischen die Beine und hob sie genau in den Winkel. Anerkennend applaudierte das Düsseldorfer Publikum ob des Treffers. Die DEG jedoch nur kurz beeindruckt, und traf anschließend noch jeweils Pfosten und Latte und bearbeitete den Titelaspirant aus Mannheim mit frühem Forecheck. Als Rob Bordson dreineinhalb Minuten vor dem Ende wegen Beinstellens auf die Strafbank musste, kamen die Gäste im Power Play durch Setoguchi doch noch zum späten Ausgleich(59.) und schickten das Spiel in die Verlängerung, in der Jeremy Welsh für die DEG die riesige Gelegenheit zur Entscheidung nach einem überragenden Pass von Ebner verpasste. Als einziger Spieler traf John Henrion im Penaltyschießen und sorgte so für den 4-3 Siegtreffer und dem ersten Heimsieg der Saison. Die gut aufgelegten Fans der Düsseldorfer EG feierten ihr Team anschließend verdientermaßen auf der Ehrenrunde. Die von Trainer Mike Pellegrims angekündigte laufintensive und physische Spielweise scheint bei der rot-gelben Fanschaft anzukommen.

Während der Vorbereitung und nach den ersten beiden Wochenende fiel auf, dass das forsch und mutig agierende Team jederzeit in der Lage zu sein scheint, hohes Tempo zu gehen, gestattet ihren Gegner jedoch häufig viele Freiräume, die von Augsburg und Nürnberg sofort bestraft worden sind. Auch das Tor von Chad Kolarik fiel in eine Drangphase der DEG, weil alle Spieler zu offensiv unterwegs waren. Beispiele dafür, dass das Team noch Zeit braucht, die Taktik komplett zu verinnerlichen. Gegen Augsburg hatte die DEG gute 25 Minuten, in Straubing vor Wochenfrist beeindruckte die DEG offensiv mit sechs verschiedenen Torschützen und 52 Torschüssen, offenbarte dort aber ihre Konteranfälligkeit. Zudem wirkte Mathias Niederberger nicht immer sicher und griff beim zwischenzeitlichen 1-1 Ausgleich der Straubinger entscheidend daneben, was durchaus an das durchwachsene Vorjahr des jungen Torhüters erinnerte. In Nürnberg wurde man am Freitag von den Thomas Sabo Ice Tigers in Sachen effizienz und schnellen Offensivspiel belehrt. Nach einem sehr gutem ersten Drittel, in dem man durch Alexej Dmitirev mit 1-0 in Führung ging, drehten die Ice Tigers die Partie mit einem Doppelschlag und zeigte den Düsseldorfern danach gnadenlos ihre bisher wohl größte Schwäche auf: das Unterzahlspiel. Zwei der drei weiteren Nürnberger Treffer fielen in numerischer Unterzahl. Nach vier Spielen hat die DEG bisher in sechzehn Unterzahlsituationen fünf Gegentore kassiert, dabei in jedem Spiel mindestens eins. Zwar kam die DEG noch auf ein 3-5 heran, verlor letztendlich aber verdientermaßen in Nürnberg. Trotzdem bewies die Düsseldorfer EG, das sie zu jederzeit Tore erzielen kann. Insbesondere die Neuzugänge Spencer Machacek mit fünf Punkten (2 Tore, 3 Assist), Darryl Boyce und John Henrion sowie der wiedererstarkte Alexander Barta mit jeweils vier Punkten haben bislang eine bemerkenswerte Frühform.

Die DEG liegt nach dem 4.Spieltag auf den neunten Tabellenplatz und hat fünf Punkte auf der Habenseite, es waren aber durchaus mehr Punkte drin. Arbeitet die Mannschaft von Mike Pellegrims ihre Defizite ab und ist der Akklimatisierungsprozess des neu-formierten Teams abgeschlossen, könnte die DEG nicht nur die Adler Mannheim ärgern und oft mit den Fans auf einer Ehrenrunde Siege feiern.

Am kommenden Wochenende stehen für die Düsseldorfer EG zwei Auswärtsspiele an. Am Freitag geht es zu den Grizzlys Wolfsburg, ehe es am kommenden Sonntag zum ewig-jungen Straßenbahnderby bei den Krefeld Pinguinen kommt.

Saisonvorschau: Düsseldorfer EG: Ohne Kreutzer(s) zurück in die Playoffs

degDie Düsseldorfer EG steht vor der Saison 2017/2018 abermals vor einem personellen Umbruch. Trotz eines starken Schlussspurts mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen wurde in der vergangenen Saison das Minimalziel, das Erreichen der Pre-Playoffs, denkbar knapp um einen Punkt verpasst. Zu uninspieriert und lustlos agierte das Team insbesondere zwischen den Monaten November und Januar und ließ in diesem Zeitraum häufig fahrlässig Punkte im Rennen um die Pre-Playoffs liegen. Als Konsequenz musste Vereinsikone und Trainer Christof Kreutzer seinen Posten räumen und für Mike Pellegrims weichen.

Der Belgier ist an der Brehmstraße jedoch kein Unbekannter und trug bereits als Spieler zwischen den Jahren 2001 und 2006 das DEG-Trikot und konnte dort in seinem letzten Jahr neben der Vizemeisterschaft auch den damals noch ausgetragenen DEB Pokal gewinnen. Pellegrims empfiehlt sich als neuer Trainer durch seine sechsjährige Amtszeit als Assistenzcoach der Grizzlys Wolfsburg, bei der er als rechte Hand von Trainer Pavel Gross fungierte, ehe er im vergangenen Jahr seine erste Cheftrainer-Position beim Klagenfurter AC bekleidete und auf Anhieb sein Team in das Finale der EBEL führte. Zwar unterlag der KAC im Finale den Vienna Capitals in der Serie mt 0-4, doch landete Mike Pellegrims einen ersten Achtungserfolg als Cheftrainer. Ihm zur Seite stehen wird weiterhin der bisherige Co-Trainer Tobias Abstreiter, dessen taktische Finesse auch bei Bundestrainer Marco Sturm Anklang findet und ihn auch in den Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft (nicht nur) während der Eishockey-WM im eigenen Land aufnahm. Während Tobi Abstreiter bei der WM in Köln im Einsatz war, ließ Pellegrims seinen (deutschen) Stamm in einem harten Trockentraining Kondition pumpen; eigens dafür wurde Danny Beckers, ein niederländischer Fitnesstrainer verpflichtet, der die Mannschaft fitter und agiler machen soll, um im Kampf um die Pre-Playoffs die nötige Kondition zu haben. Pellegrims taktisches Konzept sieht „ein laufintensives Spiel mit hohem Tempo“ vor, dass von vier gleich starken Reihen umgesetzt werden soll. Dafür wurde auch der Kader zur anstehenden Saison verändert. Im Tor setzt die DEG weiterhin auf Eigengewächs Mathias Niederberger als Nummer 1. Der Torhüter der Saison 2015/2016 wirkte allerdings in der vergangenen Saison phasenweise überspielt und unkonzentriert, auch geschuldet dadurch, dass Niederberger auch dann häufig startete (45 mal insgesamt), wenn er sich nicht in Bestform befand. Die neue Nummer 2 ist Timo Herden, der aus Rosenheim verpflichtet wurde und Mathias Niederberger Druck machen soll. In seiner Zeit beim Sportbund gelang es dem 22-jährigen einen gewissen Patrick Ehelechner aus dem Tor zu verdrängen. Die bisherige Nummer 2 Felix Bick wechselte fest in die DEL2 nach Bad Nauheim. Sollte Mike Pellegrims verstärkt auf Rotation im Tor setzen, dürfte Niederberger, dessen Talent unbestritten ist und der in Topform durchaus zu den besten Torhütern der Liga gehört, zu alter Form finden.

In der Verteidigung verließen die DEG mit Kurt Davis, den es ligaintern zu den Krefeld Pinguin zog und Tim Schüle, der fortan für DEL2-Meister Frankfurt auflaufen wird zwei Verteidiger. Neu im Defensivverbund ist der NHL- (u.a. Ottawa Senators und Pittsburgh Penguins) und DEL- (Vizemeister mit dem ERC Ingolstadt in der Saison 2014/2015) erfahrene Verteidiger Alexandre Picard, der aus Fribuorg in der Schweiz verpflichtet wurde und der in Europa noch unbekannte Kanadier Brandon Burlon. Weiterhin zum Defensivaufgebot der Düsseldorfer zählen Rauhbein Tim Conboy, Marco Nowak, von dem eine Steigerung nach einer durchwachsenen Saison 2016/2017 erwartet wird, Henry Haase, sowie die deutschen Nationalspieler Stephan Daschner und Bernhard Ebner, die beide in der vergangene Saison mit Verletzungspech zu kämpfen hatten. Als Förderlizenzspieler mit Hoffnung auf Einsatzminuten in der DEL gesellen sich noch die Jungspunde Johannes Huß und Niklas Mannes, die bei Kooperationspartner Bad Nauheim den nächsten Schritt machen sollen.

Im Angriff gab es an der Brehmstraße einen größeren Kehraus. So verließen mit Norm Milley, Chris Minard (beide beendeten ihre Karriere), dem „Professor“ Rob Collins, Drayson Bowman, der weit hinter den Erwartungen zurückblieb, Adam Courchaine, der nicht an seine erste Zeit bei der DEG anknüpfen konnte und nun bei den Coventry Blaze unterkam, Brandon Yip, der das Vertragsangebot der DEG ausschlug und nun in der KHL für die Kunlun Red Stars in China auflaufen wird sowie Alexander Preibisch, der von den Bietigheim Steelers in die DEL2 geholt worden ist sieben Angreifer. Der mit Timo Herden aus Rosenheim verpflichtete Angreifer Manuel Edfelder löste seinen Vertrag bereits vor Beginn des Eistrainings aus persönlichen Gründen wieder auf und spielt in dieser Saison für Bad Tölz. Ein großes Fragezeichen steht hinter DEL-Topscorer und dem bisherigen Mannschaftskapitän Daniel Kreutzer. Der Bruder des geschassten Cheftrainers kämpfte sich zum Ende der vergangenen Saison nach einer schweren Schulterverletzung, die ihn vier Monate zum Zuschauen verdammte wieder zurück. Jedoch scheint die Schwere dieser Verletzung eine (momentane) Fortführung der Karriere zu verhindern, so dass ein abruptes Karriereende der Düsseldorfer Vereinslegende im Raum steht. Offizielle Meldungen hinsichtlich des Karriere-Aus gab es aber seitens des Spielers und des Vereins bisher noch nicht. Als Neuzugänge für den Angriff präsentierte die Düsseldorfer EG den von den Eisbären Berlin verpflichteten Spencer Machacek, der durch seine Körpergröße dem Angriffsspiel eine physische Komponente verleihen soll, Darryl Boyce, der aus Ingolstadt gekommen ist, und Jeremy Welsh der aufgrund seiner Spielweise und Körpergröße ein wenig an Tore Vikingstad erinnert und letztes Jahr mit den Fischtown Penguins aus Bremerhaven für Furore sorgte. Zudem verpflichtete die DEG mit dem US-Amerikaner John Henrion, der bereits in Skandinavien und der Schweiz Erfahrung in Europa sammeln konnte, sowie mit Janos Hari, ein Ungar, der in Schweden ausgebildet wurde und als technisch-versierter Spieler gilt zwei Angreifer, die man durchaus mit dem Prädikat Wundertüte bezeichnen kann. Beim ersten Testspiel der Saison am vergangenen Sonntag, das die DEG bei den ESC Wohnbau Moskitos Essen mit 5-4 gewann, brillierte Hari bereits mit 4 Assist. Als Nachwuchshoffnung konnte die DEG zudem Lukas Laub von den Löwen Frankfurt holen, der mit insgesamt 47 Scorerpunkte maßgeblichen Anteil am Gewinn der DEL2-Meisterschaft hatte und sich nun für Aufgaben in einer höheren Spielklasse empfehlen will. Geblieben sind die beiden gebürtigen Düsseldorfer Leon Niederberger, Bruder von Torhüter Mathias und Maximilian Kammerer, der in seinem ersten kompletten DEL-Jahr mit 15 erzielten Toren und elf gegebenen Vorlagen zum Rookie des Jahres gewählt wurde und als einer der wenigen Lichtblicke der vergangenen Saison galt. Dazu gesellen sich die soliden Deutsch-Russen Eduard Lewandowski sowie Alexej Dmitriev, der vergangene Saison teamintern zweitbester Scorer war, die Unterzahlspezialisten Daniel Weiß und Manuel Strodel, Allround-Talent und Nationalspieler Marcel Brandt, der in dieser Saison wieder vorwiegend im Angriff eingesetzt werden soll und bei dem Testspiel in Essen die Mannschaft als Kapitän aufs Eis führte und Alexander Barta, der trotz eines mehr als durchwachsenden ersten Jahres von der sportlichen Leitung nochmal eine zweite Chance erhält.

Der sportlichen Leitung um Miki Mondt und Mike Pellegrims gelang es in der Off-Season, den Alterdurchschnitt des Kaders um knapp drei Jahre von 28,28 Jahren auf 25,96 Jahren zu senken. Auch dürfte der neue Kader in Sachen Geschwindigkeit und Körperspiel verbessert worden sein. Wenn sich die neuen Spieler in Düsseldorf akklimatisert haben und die Mannschaft die Taktik des neuen Trainers verinnerlicht haben, dürfte die DEG ein unangenehmer Gegner für die Konkurrenz werden und bis zum Ende der Hauptrunde eine wichtige Rolle im Kampf um die Pre-Playoff-Plätze einnehmen.