Mike Zettel ,,Krefeld war immer eine Stadt mit einer großen Eishockeyleidenschaft.“

vlnr. Kapitän Uwe Fabig, Mike Zettel, Martin Hauser und Thomas Mirwa beim Mittagessen bei Hauser
vlnr. Kapitän Uwe Fabig, Mike Zettel, Martin Hauser und Thomas Mirwa beim Mittagessen bei Hauser

In der Ära von Hans-Ulrich Urban kam Mike Zettel nach Krefeld um mit dem Zweitligisten, der auf dem letzten Platz stand, Geschichte zu schreiben. Er schaffte mit dem Krefelder EV den Aufstieg ins Oberhaus und war ein Taktikfuchs. Wer erinnert sich nicht daran, wie Mike Zettel in entscheidenden Situationen Schläger vom gegnerischen Teams vermessen ließ um eine Strafzeit wegen unkorrekter Spielausrüstung rauszuholen wie z.B. hier im letzten Hauptrundenspiel bei der Düsseldorfer EG! Durch diesen Sieg über die Düsseldorfer EG sicherte man damals den vierten Tabellenplatz.

Wir sprachen mit Mike in gemütlicher Atmosphäre bei Hauser.

Hallo Mike, schön dass man dich in Krefeld wieder antrifft. Was ist der Anlass für deinen Besuch?

Ich habe einen alten Freund in der Schweiz für zwei Wochen als Gasttrainer in den Playoffs geholfen. Ich nutze jede Gelegenheit, wenn ich in der Nähe bin, die Krefelder Eishockey Familie zu besuchen.

Um dich ist es ruhig geworden in den letzten Jahren. Was machst du aktuell?

Aktuell arbeite ich in der Immobilienbranche in Toronto und Umgebung und verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie. Um nicht das Thema Eishockey aus den Augen zu verlieren, arbeite ich mit verschiedenen Nachwuchstrainern, deren Mannschaften Schwierigkeit haben, um diese dann wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.

Du hast bei den KEV Fans ein enorm hohes Standing durch die Erfolge, die der KEV seinerzeit mit dir feiern konnte. Du erinnerst dich bestimmt gerne an die Zeit zurück, oder?

Ja natürlich. Der Aufstieg war ein sehr beeindruckender Moment für mich und auch für die Krefelder Eishockey Familie und die Fans. Ich bin sehr stolz, dass wir als Team und Eishockey Familie das Eishockeyinteresse und Fundament gefestigt haben.

Was war neben dem Aufstieg für dich das Highlight in Krefeld?

Es gab mehrere Highlights, weil die Mannschaft sich konstant gesteigert hat von Saison zu Saison. Aber das größte Highlight war im ersten Aufstiegsjahr, in dem uns Jeder vor der Saison schon abgeschrieben hat und gesagt hat wir würden es mit dieser Mannschaft nicht schaffen. Aber das Team zeigte Herz und Charakter und hat am Ende der Vorrunde den großen Sprung in die Playoff geschafft. Die Unterstützung der Zuschauer hat die Mannschaft zusätzlich beflügelt um das alles möglich zu machen.

Hast du in deiner Verbundenheit die sportliche Entwicklung der Pinguine in den letzten Jahren beobachtet?
Ich habe so eine lange, schöne und intensive Eishockeyzeit in Krefeld verbracht. Da verfolge ich natürlich über das Internet was in Krefeld passiert und wie sich der Verein entwickelt. In den letzten drei Jahren scheint die Spitze erreicht zu sein und die sportliche Entwicklung ist zurück gegangen. Dieses Jahr schätze ich, ist irgendwas passiert, was außerhalb der Norm ist und dadurch sind sie auf den letzten Platz abgerutscht.

Wie sehr beschäftigt es dich diese Entwicklung zu sehen?

Interessant, dass du mich das fragst. Es ist eine vergleichbare Situation wie damals, als Uli Urban mich geholt hat und der KEV Letzter war. Damals war auch eine neue Richtung notwendig um die Mannschaft aus dem Tabellenkeller zu holen.

Was meinst du müsste aus deiner Sicht passieren, damit der KEV wieder zurück in die Spur findet?
Das ist aus der Ferne für mich gar nicht so ohne Weiteres zu beantworten. Was ich aus der Eishockeywelt aber weiß ist, dass jede Mannschaft bzw. jeder Verein eine positive Führung haben muss und das beginnt schon mit dem Umfeld. Dann brauchst du eine Zielsetzung und einen Wegweiser wie sie dort hinkommen. Krefeld war immer eine Stadt mit einer großen Eishockeyleidenschaft.

Kennst du Rick Adduono eigentlich persönlich?

Nicht so gut. Wir standen uns in den siebziger Jahren einmal in den Playoffs gegenüber. Ich spielte damals im Juniorenteam von Guelph und er bei Thunderbay und diese Playoffserie ist in Guelph bis heute einer der interessantesten Serien im Junioreneishockey geblieben, die wir je gespielt haben. Als ich zum 75. Jubiläum vor fünf Jahren in Krefeld war, hat Remmt Pyka uns vorgestellt und wir hatten interessante Gespräche und konnten uns über die alten Zeiten austauschen, aber darüber hinaus haben wir keinen Kontakt.

Der Eishockeystandort Krefeld steht vor schweren Zeiten. Was nach der Saison 17/18 passiert, weiß heute noch keiner. Möglicherweise muss der KEV ganz unten neu anfangen. Was denkst du darüber?

Das wäre sehr schade, finde ich, denn Krefeld hat sich von ganz unten nach oben gearbeitet und etabliert und das nicht nur als DEL-Standort. Die Fanbasis in Krefeld ist sehr stark und kann viel bewegen. Die Fans waren früher immer sehr positiv dem Verein und den Spielern gegenüber, aber auch genauso kritisch und haben es uns auch spüren lassen, wenn es nicht so lief wie es sollte und das haben wir uns alle zu Herzen genommen und entsprechend reagiert. Ich denke das haben sie nicht verdient und ich glaube nicht, dass es gut wäre nochmal ganz unten anfangen zu müssen.

Bist du in deiner Heimat noch viel im Eishockey unterwegs?

Eishockey ist und war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich bin nicht professionell aktiv und bin so gesehen aus dem aktuellen Geschehen raus. Ich habe die Zeit immer genossen den Sport zu studieren, denn es hat sich in den letzten sieben bis zehn Jahren sehr verändert. Als ich damals nach Krefeld kam, war ich ein junger Trainer mit einem modernen Gedanken zum Sport. Heute wären meine Vorbereitungen ganz anders um das Team auf das moderne Hockey einzustellen.

Was hat sich aus deiner Sicht mehr verändert?

Die ganze Spielerausrüstung hat sich verändert und auch die Spieler sind viel athletischer und schneller als früher. Das ganze Spiel ist schneller geworden und man hat weniger Zeit auf Spielsituationen zu reagieren. Man muss jederzeit sehr konzentriert sein. Das Positionsspiel und der körperliche Einsatz hat etwas nachgelassen. Ich will jetzt nichts falsches sagen, aber der Sport ist mehr zum Entertainment geworden. Heute sieht man schnelle Kombinationen und weniger Systemarbeit und wenn es bei uns in Nordamerika auf die Playoffs zugeht, geht es vom Entertainment weg zum Business. Die Teams werden richtig eingestellt, alles wird genau geplant und analysiert um den Gegner keine Chance zu lassen.

Würdest du in Deutschland nochmal als Trainer arbeiten wollen?

Ich bin glücklich zu Hause und mit meinem jetzigen Beruf läuft alles sehr gut. Aber Eishockey ist immer meine Passion gewesen und ich bin immer gerne bereit für eine neue Herausforderung. Ich könnte mir vorstellen wieder irgendwas in der Eishockeywelt zu machen. Man fühlt sich auch nur komplett, wenn man sich den Herausforderungen stellt.

Eine abschließende Frage habe ich noch zu der damaligen Zeit. Welcher Spieler war aus deiner Sicht damals die herausragendste Persönlichkeit?

Oh das ist sehr schwer zu sagen, weil die Mannschaft damals sehr viel Charakter hatte und Jeder wusste woran er arbeiten musste. Natürlich war einer der Schlüsselfiguren damals Karel Lang, denn jeder weiß, dass die Torhüterposition ein wichtiges Puzzlestück zu einer erfolgreichen Mannschaft ist. François Sills mit seinen Bullyfähigkeiten und seine offensiven Schüsse in Überzahl oder Jayson Meyer wie er die Scheibe aus dem eigenen Drittel bringen konnte und wenn es sein musste auch 45 Minuten auf dem Eis stand oder der Kapitän Uwe Fabig, der die Mannschaft zusammengehalten hat, wie sonst kein Anderer. Das sind alles Faktoren für eine gute Mannschaft.

Vielen Dank für das ausführliche Interview.

Wir empfehlen http://www.icepingu.de/ wenn du mehr über die Krefelder Eishockeyhistorie erfahren möchtest.