Die DEG in herbstlicher Verfassung

Nachdem das Team von Trainer Mike Pellegrims vergangenes Wochendende das erste 6-Punkte-Wochenende der Saison feiern konnte, ergatterte die Düsseldorfer EG nach dem gestrigen Heimspiel nach einem Kraftakt drei Punkte gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Der 3-2 Siegtreffer durch Doppeltorschütze Alexander Barta fiel 23 Sekunden vor Ende des Spiels, bei der auch der frischverpflichtete Goalie Dan Bakala mit von der Partie war. Am Freitag unterlag man bei den Schwenninger Wild Wings deutlich mit 1-5, am Tag der Deutschen Einheit zuvor zuhause gegen die Eisbären Berlin mit 2-4.

So unbeständig das Wetter dieser Tage im herbstlichen Rheinland ist, so unbeständig präsentiert sich die DEG nach den bisherigen elf Partien dieser DEL-Saison. Am vergangenen Wochenende konnten die Düsseldorfer die maximale Punkteausbeute aus den beiden Partien gegen den Deutschen Meister EHC Red Bull München und den Iserlohn Roosters holen. Im heimischen ISS DOME bezwang man die Gäste aus München nach einer mitreißenden Begegnung verdient mit 6-4. Bereits nach dem ersten Drittel führte die DEG mit 3-0 und dominierte den Titelträger phasenweise. Eduard Lewandowskis Tor zum 6-4 ins verwaiste München-Gehäuse entschied die Partie endgültig, bei der die Gäste erst nach dem zwischenzeitlichen 1-5 Rückstand in der Parie angekommen waren. Vergangenen Sonntag siegte man nach einem souveränen Auftritt bei den Iserlohn Roosters mit 5-1. Auch am Seilersee legte die DEG los wie die Feuerwehr und führte, auch in der Höhe verdient mit 3-0 nach dem ersten Drittel. Alexej Dmitirev gelang ein Hattrick, Lukas Laub konnte nach mustergültiger Vorlage von Maxi Kammerer seinen ersten DEL-Treffer erzielen. Insgesamt zeigte die DEG in den Partien eine gute Reaktion auf das unnötig verlorene Straßenbahn-Derby bei den Krefeld Pinguinen vor 15 Tagen, als die Düsseldorfer EG eine 2-0 Führung aus der Hand gab und das Spiel mit 4-2 verlor.

Martin Schymainski hatte mit einem Hattrick erheblichen Anteil an der Wende, die bis weit ins zweite Drittel hinein kaum jemand erwarten konnte. Die Düsseldorfer EG erspielte sich Chance um Chance, insbesondere im ersten Drittel hätte es durchaus 4-0 stehen können. Die schlechte Chancenauswertung rächte sich, als Martin Schymainski mit dem ersten seiner drei Treffer den 1-2 Anschlusstreffer für den KEV erzielte und das Spiel zu Gunsten der Seidenstädter kippte. Dabei fiel auf, dass das Team von Mike Pellegrims nach dem Gegentreffer kaum noch Zugriff auf das Spiel und den gallig-agierenden Gegner bekam. Timo Herden, der in Krefeld sein DEL-Debüt gab, machte ein unaufgeregtes und fehlerfreies Spiel für die DEG und war bei allen Gegentreffern machtlos. Einen ähnlichen Spielverlauf gab es am vergangenen Freitag auch beim Auswärtsspiel in Schwenningen. Stephan Daschner brachte eine offensiv-ausgerichtete DEG im ersten Drittel per Handgelenkschuss mit 1-0 Führung(5.). Anschließend ergaben sich mehrfach Einschussmöglichkeiten für die Gäste, jedoch scheiterten die Düsseldorfer am starken Wild Wings-Goalie Strahlmeier oder am Torgestänge. Auf der anderen Seite nutzten die kampfstarken Schwenninger ihre wenigen Torchancen gnadenlos. Mirko Sacher glich durch einen Schuss auf die kurze Ecke aus(24.). Timo Herden, der wie schon drei Tage zuvor bei der 2-4 Heimniederlage gegen die Eisbären Berlin den angeschlagenen Mathias Niederberger zwischen den Pfosten ersetzte, erwischte einen unglücklichen Arbeitstag. Ähnlich wie drei Tage zuvor bei der Begegnung der DEG gegen die Eisbären Berlin als Timo Herden das 0-1 der Berliner über die kurze Ecke kassierte, fiel auch der Ausgleich der Wild Wings über die kurze Ecke. Wie in Krefeld verlor die Düsseldorfer EG anschließend vollkommen den Faden und hatte sowohl spielerisch als auch kämpferisch den effizienten Schwenningern nichts mehr entgegenzusetzen. Der Treffer zum 5-1 durch Mirco Höfflin vier Minuten vor dem Ende fällt unter die Rubrik „Slapstick-Einlage“; Timo Herden schoss den anstürmenden Mirco Höfflin an, der die Scheibe unbeabsichtigt ins Tor lenkte und einen gebrauchten Abend für die DEG perfekt machte. Trotz 33 Torschüssen verlor man deutlich gegen eine Mannschaft, die zielstrebiger, schnörkelloser und konsequenter zu Werke ging.

Am Samstagvormittag bestätigte die Düsseldorfer EG die Verpflichtung des kanadischen Torhüters Dan Bakala, 29 Jahre alt und vergangene Saison mit dem schwedischen Team Frölunda HC Sieger der Champions Hockey League und reagierte damit auf die (Unterkörper-)Verletzung von Mathias Niederberger. Bakala, erst Samstag von seinem Heimatort Calgary nach Düsseldorf gereist, spielte bereits gestern beim Heimspiel gegen die Fischtown Pinguins von Beginn an. In einem ausgeglichenen ersten Drittel lieferten DEG-Spieler Spencer Machacek und Kris Newbury von den Gästen aus Bremerhaven das erste Highlight der Begegnung, als sie sich in der fünften Spielminute einen zünftigen Boxkampf lieferten, den Machacek klar mit Punkten für sich entscheiden konnte. Den ersten Treffer des Spiels konnten die Gäste erzielen; Brock Hooten überwand Neuzugang Bakala fast von der roten Linie über die kurze Ecke zur 1-0 Führung für Bremerhaven. Der ansonsten sichere und solide Bakala sah bei dem Gegentreffer unglücklich aus. Den Gästen gelang es, das kombinationsstarke Angriffsspiel der DEG zu unterbinden, und ließ die Gastgeber nur selten zur Entfaltung kommen. Im zweiten Drittel versuchte die Düsseldorfer EG die Pinguins schon tief im eigenen Drittel zu attackieren, trotzdem blieben selbst beste Chancen ungenutzt; Maxi Kammerer haute noch starker Vorbereitung von Alexej Dmitirev freistehend über die Scheibe. Beinahe im Gegenzug erhöhte Jordan George nach feinem Solo auf 2-0(28.). Ungenauigkeiten im Aufbauspiel und eine schwache Chancenwertung sorgten dafür, dass auch nach dem zweiten Drittel kein Treffer auf der Habenseite der Düsseldorfer war. Beide Überzahlsituationen, die die DEG gestern hatte, ließ das Team von Trainer Mike Pellegrims ungenutzt. Nach elf Spielen hat die Düsseldorfer EG erst vier Power Play Tore in 35 Situationen erzielt, was den drittschlechtesten Ligawert bedeutet. Im letzten Drittel legte die DEG ein Tempo vor, was man bislang eher aus den ersten Dritteln der bisherigen Partien kannte. Aggresiv im Forecheck, starkes Spiel an und mit der Bande und einem zielstrebigeren Zug zum Tor. Bis in die Schlussphase der Begegnung scheiterten die Düsseldorfer reihenweise am starken Gäste-Torhüter Tomas Pöpperle, der insgesamt 38 Schüsse parieren konnte. Erst acht Minuten vor Schluss erlöste John Henrion die knapp 5700 Zuschauer im ISS DOME mit seinem siebten Saisontor und leitete mit seinem Anschlusstor eine nicht mehr für möglich gehaltene Aufholjagd ein. 48 Sekunden nach dem 1-2 konnte Alexander Barta nach starkem Querpass von Spencer Machacek den 2-2 Ausgleichstreffer markieren(53.). Der Druck der Gastgeber nahm immer weiter zu, der in aktueller Top-Verfassung spielende Alexander Barta scheiterte kurz vor Ende der Partie mit einem Schuss an der Querlatte, ließ sein Team und alle anwesenden Fans jedoch in den Schlusssekunden jubeln, als er einen Abpraller von Pöpperle verwerten konnte und die Scheibe ins Pinguins-Gehäuse bugsierte und damit den Schlusspunkt einer umkämpften Partie setzte. Die DEG konnte an diesem Wochenende damit zumindest dreifach punkten und rangiert aktuell mit 15 Punkten auf dem achten Tabellenplatz.

Der unerklärliche Leistungsabfall während der Partien in Krefeld und in Schwenningen, der mögliche sechs Punkte zunichte machte, verhinderte, dass die DEG tabellarisch nicht besser darsteht. Das Potenzial, dass die Mannschaft der Düsseldorfer EG hat, hat sie insbesondere gegen München und Iserlohn gezeigt. Trotzdem scheint es dem Team bisher nur in wenigen Partien zu gelingen, ihr Spiel konsequent von der ersten bis zur letzten Minute durchzuziehen. Gegen tiefstehende und körperlich-agierende Teams scheint die DEG Probleme zu kriegen, insbesondere, wenn man (durch „soft goals“) trotz spielerischer Überlegenheit Gegentreffer hinnehmen muss.

Am kommenden Wochenende trifft die Düsseldorfer EG zunächst am Freitag im rheinischen Derby in Köln auf den KEC, am Sonntag empfängt die DEG den ERC Ingolstadt. Während die verletzten Spieler Tim Conboy und Daniel Weiß länger ausfallen werden, könnte Rob Bordson nach seiner Verletzung wieder eine Option für Mike Pellegrims sein. Hinter Mathias Niederberger steht bisweilen noch ein Fragezeichen.
Präsentiert sich die Düsseldorfer EG weiterhin so unbeständig wie das Wetter im herbstlichen Düsseldorf, ist eine Prognose für das anstehende Wochenende ebenso unsicher, wie der weitere Verlauf der Saison.

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