Die Düsseldorfer EG nach 13 Spielen: Ein erstes Zwischenfazit

Das erste Saisonviertel der DEL-Spielzeit 2017/2018 ist gespielt. Das neuformierte Team der Düsseldorfer EG um Neu-Trainer Mike Pellegrims, der das Amt von Vereinslegende Christof Kreutzer im Frühjahr übernahm, rangiert nach 13 Spielen mit 16 Punkten auf Tabellenplatz Acht. Am Wochenende gab es zwei Niederlagen, Freitag verlor man das rheinische Derby in Köln denkbar knapp mit 2-3 nach Verlängerung, gestern gab es in einer umkämpften Partie eine 0-2 Heimniederlage gegen den ERC Ingolstadt. NRW Hockey hat sich die Leistungen des Teams genauer angeschaut und stellt nach dem ersten Saisonviertel das erste Zwischenzeugnis aus. (bewertet auf einer Skala von 1-10)

Die Torhüter:

Dan Bakala (#34): Der 29-jährige Kanadier wurde erst vergangene Woche nachverpflichtet und soll den Konkurrenzkampf im Tor anheizen und den aktuell verletzten Mathias Niederberger ersetzen. Der Gewinner der Champions Hockey League, die er mit dem schwedischen Vertreter Frölunda HC gewann, debütierte vergangenen Sonntag beim Last-Minute-Sieg gegen Bremerhaven. Sah bei beiden Gegentreffern der Fischtowns nicht gut aus, ansonsten zeigte er trotz Jetlag eine solide Leistung. Beim Derby am Freitag in Köln und gestern beim Heimspiel gegen den ERC Ingolstadt mit starker Leistung. Sehr gute Beinarbeit und eine schnelle Fanghand. Dürfte einige Einsätze bekommen in dieser Saison und Druck auf Niederberger und Herden ausüben. (7/10)

Timo Herden (#39): Herden wurde für den nach Bad Nauheim gewechselten Felix Bick aus Rosenheim verpflichtet. Gilt als Verpflichtung von Christof Kreutzer. Der 22-jährige machte sein erstes DEL-Spiel beim Straßenbahnderby in Krefeld, was die DEG nach 2-0 Führung mit 2-4 aus der Hand gab. Herden war dort schuldlos an den Gegentoren und der Niederlage. Weiter kam er beim Heimspiel gegen die Eisbären Berlin (2-4) und im darauffolgenden Auswärtsspiel in Schwenningen (1-5) zum Einsatz. Patzte beim 0-1 Gegentreffer gegen Berlin und erlebte einen unglücklichen Abend in Schwenningen, als er beim zwischenzeitlichen Ausgleich und beim 1-5 Schlusspunkt schlecht aussah. Durch die Bakala-Verpflichtung und einer baldigen Rückkehr von Mathias Niederberger dürfte es für das junge Talent im weiteren Verlauf der Saison schwer werden. (2/10)

Mathias Niederberger (#35): Aufgrund der Absage der NHL, für die Olympischen Spiele in Pyeongchang (Südkorea) im kommenden Februar Spieler abzustellen, besteht für den Düsseldorfer die realistische Chance, einen Platz im Kader von Bundestrainer Marco Sturm zu ergattern. Momentan ist er jedoch noch nicht in Olympia-Form und von seiner Form von vor zwei Jahren entfernt, als er Torhüter des Jahres wurde. Ließ in Straubing einen Schuss durch die Fanghand rutschen und bekam einige ‚Soft Goals‘. Hielt bislang kaum „Unhaltbare“. Sehr gute Beinarbeit, fiel jedoch zuletzt mit einer Unterkörperverletzung aus. Dürfte vom neu-entfachten Konkurrenzkampf profitieren, da er mit seinen 24 Jahren noch mitten in seiner Entwicklung steckt. Muss sich steigern. (4/10)

Die Verteidiger:

Stephan Daschner (#3): Auch er dürfte nach Südkorea schielen. Letzte Saison mit Verletzungspech, konnte Daschner in dieser bisher jede Partie mitmachen. Der schnelle Verteidiger zeigt sich bisher sehr offensivfreudig und agil. Traf bereits zwei Mal in dieser Saison. Tendenziell zeigt seine Formkurve nach oben, trotzdem ist sein Defensivspiel noch fehlerbehaftet. Könnte noch häufiger den Abschluss suchen. (6/10)

Tim Conboy (#4): Düsseldorfs Tough Guy fällt seit drei Wochen aufgrund einer Knieverletzung aus und verpasste bisher sechs Spiele. Spielte bis dato an der Seite von Bernhard Ebner den defensiven Part. Wirkte bis zur Verletzung phasenweise zu statisch. Der 35-jährige bringt seine Qualitäten weiterhin in hitzigen Begegnung mit ein, kriegt aber bei schnellen Gegenspielern Probleme. Conboy fällt erstmal für unbestimmte Zeit aus, zudem läuft sein Vertrag am Saisonende aus. Es könnte schwer werden für den Teamplayer. (3/10)

Brandon Burlon (#7): Der Neuzugang von den Tucson Roadrunners aus der American Hockey League begann stark in Düsseldorf. Zeigte sich in der Vorbereitung und zu Beginn des Ligabetriebs sehr offensiv stark; traf in den ersten drei Spielen der Saison zwei Mal. Einer der besten Skater im Team mit einem starken Spielaufbau. Derzeit jedoch in einem Formtief. Leistete sich zuletzt einige Puckverluste im eigenen Drittel und agierte zu verspielt. Überwindet der Kanadier seinen Durchhänger, hat die DEG einen richtig starken Verteidiger in den eigenen Reihen. (6/10)

Marco Nowak (#8): Nowak wirkt topfit und läuferisch verbessert. Der 27-jährige schaltet sich oft ins Angriffsspiel der DEG mit ein, fehlt dadurch aber hinten bei schnellen Gegenangriffen. Sein Spiel wirkt insgesamt konstanter und gradliniger, zudem ist sein Bandenspiel verbessert. Muss noch die Balance zwischen Offensive und Defensive finden, ansonsten verbessert im Vergleich zur Vorsaison. (7/10)

Henry Haase (#40): Der Berliner hat die Sommerpause gut genutzt und wirkt körperlich fitter. Zudem wirkt er agiler und auch läuferisch stärker als im Vorjahr. Auch sein Stellungsspiel ist besser. Bis zur Verletzung von Tim Conboy war er Verteidiger Nummer sieben, scheint sich aber jetzt an der Seite von Marco Nowak festspielen zu wollen. Mit seiner Körpergröße von stattlichen 1,91m und 98 kg Körpergewicht könnte er auch die Rolle des Abräumers einnehmen, jedoch kommt Haase bisher kaum über das Körperspiel.

(6/10)

Alexandre Picard (#45): Der NHL-erfahrene Neuzugang aus Kanada hat ein solides erstes Saisonviertel absolviert. Gut im Spielaufbau leitet Picard häufig Angriffe ein. Im Defensivspiel sehr gradlinig und stark im Stellungsspiel. Übernimmt bisher eine Führungsrolle im Team. Seine Form war zu Saisonbeginn aber besser, als zuletzt, wo ihm einige Fehlpässe passierten. Bisher ist der große Verteidiger eine gute Verpflichtung. (7/10)

Bernhard Ebner (#67): Der in Düsseldorf besungene ‚Alte Rowdy‘ ist in Olympiaform. Nach 13 Spielen erzielte Ebner bereits zwei Tore und bereitete sieben weitere Treffer vor. Körperlich fit, spult der Offensivverteidiger ein ordentliches Pensum ab. Sein Skating ist besser geworden, ebenso sein Defensivverhalten. Bringt bisher solide seine Leistung und ist einer der besten Spieler im Team. Hält er diese Form, darf sich Ebner berechtigte Hoffnungen auf die olympischen Spiele machen.

(10/10)

Der Angriff:

Maximilian Kammerer (#9): Ähnlich auffällig wie im Vorjahr. Der gekrönte Rookie der Vorsaison kommt nach 13 Spielen auf solide acht Punkte (3 Tore, 5 Vorlagen). Bisweilen noch etwas unglücklich im Abschluss, spielt der junge Düsseldorfer forsch nach und besticht durch enorme Schnelligkeit. Auch im Umgang mit der Scheibe verbessert. Braucht aber noch, wie das Team insgesamt, zu viele Chancen um zu Toren zu kommen. Initiert in seiner Reihe viele Gelegenheiten, die prächtig miteinander harmoniert. Dem 21-jährigen gehört die Zukunft. (8/10)

Eduard Lewandowski (#11): Trotz seiner 37 Jahre ist der Routinier unfassbar fit. Ohne jegliche Schnörkel zieht der Deutsch-Russe sein Spiel konstant durch. Stark an der Scheibe und an der Bande. Zudem gute Reichweite mit seinem Schläger und auch läuferisch verbessert. Am Freitag in Köln mit dem wichtigen 2-2 Ausgleichstreffer. (8/10)

Spencer Machacek (#15): Dürfte nach seinem Faustkampf am vergangenen Sonntag gegen Bremerhavens Newbury einige Fans dazugewonnen haben. Die Neuverpflichtung aus Berlin hat einen starken Beginn in Düsseldorf hingelegt. Neben einer guten Vorbereitung sammelte Machacek nach dem ersten Saisonviertel mit vier Toren und fünf Assist bereits neun Punkte. Bevorzugt das körperliche Spiel, hat aber auch einen guten Zug zum Tor und ein gutes Auge für den Mitspieler. Zuletzt nicht ganz in der Form der ersten vier DEL-Wochen. (7/10)

John Henrion (#16): Sechs seiner sieben bisherigen Saisontreffer (dazu drei Torvorlagen)erzielte der 26-jährige US-Amerikaner im heimischen ISS Dome. Scheint in Düsseldorf bisher gut zurecht zu kommen. Giftige Spielweise, checkt früh vor, scheut keinen Zweikampf. Sucht häufig direkt, dabei oft fast schon überstürzt den Abschluss. Hat das Zeug zu einem guten DEL-Stürmer, sollte aber konstanter werden; häufig läuft das Spiel etwas an ihm vorbei. Insgesamt aber bisher eine gute Verpflichtung aus der Schweiz. (7/10)

Leon Niederberger (#17): Trainer Mike Pellegrims setzt das Eigengewächs seit der Verletzung von Neuzugang Rob Bordson in der vierten Reihe mit Marcel Brandt und Manuel Strodel ein. Der pfeilschnelle Flügelstürmer hat zwar bisher noch keinen Punkt in dieser Saison erzielt, trotzdem spielt der gebürtige Düsseldorf bisher rotzfrech und forsch mit. Scheut keinen Bandenzweikampf, ist sehr beweglich und arbeitet gut mit nach hinten. Traut sich auch spielerisch von Spiel zu Spiel immer mehr zu. Dürfte noch einige Spiele diese Saison machen. (6/10)

Darryl Boyce (#19): Es gibt bei der Düsseldorfer EG mit Sicherheit einfachere Aufgaben, als die Nachfolge vom langjährigen und zurückgetretenen Kapitän Daniel Kreutzer anzutreten. Der Neuzugang aus Ingolstadt spielte eine solide Vorbereitung und zwei starke erste DEL-Wochenenden. Danach fiel der neue Kapitän der DEG aber in ein Formtief, aus dem er sich bislang noch nicht befreien konnte. Zeigt zu selten, das er stocktechnisch äußerst beschlagen ist und gute Pässe spielen kann. Spielt zu umständlich und kompliziert, und bringt sein Körperspiel zu selten durch. In Unterzahl solide, harmoniert mit Machacek, dessen Form aber besser ist. Viele Puckverluste in der Offensiv- und neutralen Zone zuletzt. Muss in sein Spiel mehr Intensität bringen. (4/10)

Manuel Strodel (#20): Gestern hatte der mittlerweile dienstälteste DEG-Spieler die Riesengelegenheit zum möglichen 1-0, als er alleine auf Ingolstadt-Goalie Timo Pielmeier zulief, jedoch am starken Torhüter scheiterte. Nutzt er die Chance in der Schlussphase der Partie erzielt er nicht nur sein erstes Saisontor, sondern lenkt sein Team damit auch auf die Gewinnerstraße. Ansonsten besticht der Arbeiter durch enormen Kampfgeist, Laufbereitschaft und Einsatz. Blockt sehr viele Schüsse mit sämtlichen Körperteilen. Spielt insgesamt sehr mannschaftsdienlich. Benötigt bislang zu viele Chancen, seine Formkurve zeigt aber nach oben. (6/10)

Jeremy Welsh (#27): Sein erstes Saisonviertel steht symptomatisch für das der Düsseldorfer EG: Es hätten durchaus mehr Punkte sein können, gar müssen. Der Neuzugang aus Bremerhaven spielte eine sehr gute Vorbereitung kommt, aber nach bisher dreizehn DEL-Spielen auf (nur) 5 Punkte. Stocktechnisch mit Sicherheit einer der stärksten Spieler im Team, agiert Welsh oftmals zu kompliziert und mit zu viel Schnörkel. Deutete seine Fähigkeiten bisher nur an, zeigte aber, dass die Chemie zwischen ihm und Strumpartner Rob Bordson, ebenfalls aus Bremerhaven verpflichtet, stimmt. Sucht eher den Mitspieler als den Abschluss. Noch weit entfernt von der Form der Vorsaison. Bei ihm sollte der Knoten allmählich platzen. (4/10)

Alexander Barta (#29): Nicht viele DEG-Fans hätten vor Saisonbeginn auch nur einen Kasten Bier auf ihn gewettet. Nach einem mehr als durchwachsenem Vorjahr, zeigt der 34-jährige derzeit sein bestes Eishockey. Nach dreizehn Spielen mit starken 11 Scorerpunkten. Sowohl spielerisch als auch läuferisch enorm verbessert. Bildet mit Kammerer und Dmitriev bisher die Paradereihe der DEG. Offensiv stets gefährlich, arbeitet auch gut nach hinten mit. Schlitzohrig sein 1-2 Anschlusstreffer am Freitag in Köln. Geht als Führungsspieler voran. Der beste Spieler des ersten Saisonviertels. (10/10)

Alexej Dmitriev (#42): Spielt bereits sein viertes Jahr am Rhein. Sehr zuverlässiger Scorer, der stark an der Scheibe ist. Fünf Tore und vier Vorlagen auf der Habenseite sind eine sehr solide Ausbeute nach dreizehn Spielen. Schwer von der Scheibe zu trennen, und technisch versiert. Seine Punkteausbeute könnte höher sein, wenn er noch gradliniger spielt. Starker Auftritt in Iserlohn, als er dreimal traf. Zuletzt nicht mehr ganz so torgefährlich. Scheint sich von Saison zu Saison zu steigern. (9/10)

Daniel Weiß (#57): Fehlt zurzeit mit einem Haarriss im Fuß. Spielte bis zu seiner Verletzung als Center der vierten Reihe grundsolide seine Rolle im Team. Traf gleich am ersten Spieltag. Der eher defensiv ausgerichtete Stürmer ist stark in Unterzahl, läuft sehr viel, und arbeitet viel an den Banden. Könnte Scoringtechnisch noch zulegen. Insgesamt ein solider Teamplayer, wird aber noch einige Wochen fehlen. (5/10)

Rob Bordson (#91): Anstelle des Ungar Janos Hari verpflichtete und lizensierte die DEG mit Bordson einen der besten Spieler der Fischtown Pinguins aus Bremerhaven der vergangenen Saison. Starke 38 Punkte erreichte Bordson letztes Jahr. Davon ist der wieder angeschlagene Angreifer momentan noch weit entfernt. Kommt offensiv fast kaum zur Geltung, spielte zwar das Derby am Freitag, fehlte aber gestern gegen Ingolstadt und davor knapp drei Wochen verletzungsbedingt. Davor, wie einige seiner Kollegen, insbesondere Sturmpartner Welsh, zu verspielt. Erst nach der Saisonvorbereitung verpflichtet, muss Bordson sich noch in Düsseldorf einfinden. (4/10)

Marcel Brandt (#92): Er favorisiert die Verteidigerposition, wird aber seit Saisonbeginn wieder auf seiner angestammten Position im Angriff eingesetzt. Gerade am Anfang der Saison wirkte er diesbezüglich unzufrieden und unkonzentriert; spielte aber ein gutes Wochenende. Sehr schnell auf den Beinen und ausgestattet mit einem guten Schuss, zeigte sich der 25-jährige nach durchwachsenem Saisonbeginn zuletzt etwas formverbessert. Sitzt Bankstrafen als überzähliger Spieler ab. Bisher noch ohne Saisontor. Will er nach Südkorea, muss er sich steigern. (4/10)

Lukas Laub (#94): Vom DEL2-Meister aus Frankfurt verpflichtet, rutschte das junge Talent durch die Verletzung von Daniel Weiß im Team. Überzeugt durch seine Schnelligkeit und einer guten Stocktechnik. Sehr einsatzfreudig. Aktuell centert er die Reihe um Welsh und Henrion und ist an vielen Angriffen beteiligt. Erzielte vor drei Wochen in Iserlohn seinen ersten DEL-Treffer. Zeigt großes Potenzial und dürfte sich in der Mannschaft erstmal festgespielt haben. Bereits jetzt dürfte die sportliche Leitung beim 23-jährigen an eine vorzeitige Vertragsverlängerung denken. Könnte noch für Furore sorgen. (8/10)

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