Wie schon so oft in diesem Jahr stehen die Kölner Haie mit dem Rücken zur Wand. Ob die knappe Qualifikation zur 1. Playoff-Runde, die enge Serie gegen Mannheim oder nun eben das erste Entscheidungs-Spiel gegen Viertelfinal-Gegner Berlin – Drucksituationen sind den Rheinländern nicht fremd. Wer noch nicht weiß auf welches Team er setzen soll, findet hier eine Pro- und Contra-Liste, warum der KEC heute Spiel 7 (nicht) erreichen wird.

Pro:

  • Top-Scorer:

Die Kölner Haie stellen mit Philip Gogulla den Top-Scorer der aktuellen DEL-Playoffs. Sechs Tore und zwei Vorlagen in den bisherigen acht Playoff-Partien ist ein Spitzenwert. Generell sind unter den sieben besten Scorern sechs Haie-Akteure. Einzig Steven Reinprecht kann mit sieben Punkten aus fünf Spielen in der Statistik mithalten. Klar ist aber auch, dass die Pre-Playoff-Serie gegen Mannheim, in der 22 Tore fielen, den Spielerwerten mächtig geholfen hat.

  • Gustaf Wesslau:

Der Schwede beweist auch in den Playoffs, warum er zu den besten Torhütern der Liga gehört. Bereits in drei Spielen blieb er nach 60 Minuten ohne Gegentor und war auch bei der 1:5 bzw. 1:4-Niederlage der einzige Lichtblick in der Kölner Mannschaft. Wesslau gibt seinen Vorderleuten in jedem Spiel die Chance einen Sieg einzufahren.

  • Comeback-Qualität:

Wie bereits erwähnt, standen die Kölner Haie bereits öfters mit dem Rücken zur Wand – und konnten trotzdem stets das Ruder umreißen. Die Phase, in der sich die Haie von einer schlechten Situation beeindrucken ließen, ist vorbei. Und: Center Patrick Hager hat wohl das Comeback-Gen schlechthin. Er war Teil jener Ingolstädter Mannschaft, die von den Pre-Playoffs aus in einem siebten Finalspiel gegen seinen heutigen Arbeitgeber die Meisterschaft gewinnen konnten.

  • Heim-Dominanz:

Drei von vier Playoff-Heimspielen konnten die Haie (beeindruckend) für sich entscheiden. Nur Spiel 2 gegen Berlin endete denkbar knapp mit 0:1 nach Verlängerung. Aber auch dieses Duell hätten die Kölner fast für sich entschieden, da Per Aslund (der mehreren Medienberichten zu folgen zurück nach Schweden wechselt) kurz vor dem „Sudden Death“ an der Latte scheiterte.

Contra:

  • Inkonstanz:

Meist folgt auf ein starkes wieder ein schwaches Spiel. Auf ein Offensivspektakel ein tor-armes Spiel. Woran das liegen mag?

  • Abhängigkeit:

An der Abhängigkeit zur Top-Reihe rund um Philip Gogulla und Patrick Hager. Wenn es gefährlich wird, dann meistens nur durch die beiden deutschen Nationalspieler. Von den teuren Schweden Aslund und Falk kommt zu wenig. Zudem ist die vierte Reihe mit Pascal Zerressen (gelernter Verteidiger) und Marcel Ohmann (Formtief) zu ungefährlich.

  • Formtief:

Apropos „Formtief“. Nicht nur Ohmann befindet sich in einer schlechten Phase. Auch Dauerpatient Alex Sulzer produziert im Aufbau zu viele Fehler. Beinahe in jeder Partie spielt er einen Fehlpass oder trifft eine Fehlentscheidung, was nicht selten zu einer gefährlichen Gelegenheit oder gar zu einem Gegentor führt.

  • Petri Vehanen:

Nicht nur die Kölner können sich auf ihren Torwart verlassen. Petri Vehanen ist ein mindestens genauso großer Rückhalt für Berlin, wie Wesslau für Köln. Skandinavisches Goaltending auf hohem Niveau. Mehrfach kratzte Vehanen schon den Puck von der Linie oder fischte ihn aus dem Winkel. Um ihn zu schlagen, müssen die Haie ihr bestes Eishockey spielen.

  • Verletztenliste:

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison – das Verletzungspech. Auch in den Playoffs fehlen drei Schlüsselspieler. Jason Williams, falls Ihnen der Name überhaupt etwas sagt, wurde als Star verpflichtet. Man hatte hohe Erwartungen, die er aufgrund von hartnäckigen Verletzungen nicht erfüllen konnte. Sebastian Uvira verletzte sich schon zum Ende der Hauptrunde am Unterkörper und fällt auch für die gesamten Playoffs noch aus. Neu auf der Verletztenliste ist nun auch Jean-Francois Boucher, der in Spiel 4 nach einem Check gegen den Kopf von Eisbär Milan Jurcina das Eis auf einer Trage verlassen musste und vermutlich auch erst in der kommenden Saison wieder auflaufen kann.

  • Die Historie:

Bislang konnten die Kölner Haie in ihrer Vereinsgeschichte noch nie eine Playoff-Serie gegen die Eisbären Berlin gewinnen. In den vergangenen zehn Jahren gab es sogar zwei Final-Pleiten gegen die Hauptstädter.

Spiel 6 wird heute in der Konferenz mit dem Duell der Roosters gegen Nürnberg live auf ServusTV (17.30 Uhr) übertragen. Auch für Iserlohn geht es darum, das Viertelfinal-Aus abzuwenden. Ein potentielles Spiel 7 würde am Montag in Berlin stattfinden.

Von Johannes Scholl

Journalist und Eishockeyspieler instagram: bettercallscholl

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