Haie Coach Cory Clouston Foto: florian müller /nordphoto.de)
Haie Coach Cory Clouston
Foto: florian müller /nordphoto.de)

„do or die“ in Köln – ein Blick auf die Personalien

„Die DEL ist so eng wie noch nie“ – diesen Satz hört man eigentlich in jeder Saison zu dieser Jahreszeit. Doch selten war die Vergabe der Plätze für die erste Playoff-Runde so unvorhersehbar.

Zwei Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde sind die Plätze acht bis zwölf noch im Rennen um die begehrte Teilnahme der Endrunde. Nicht nur der amtierende Meister aus Mannheim muss auf dem derzeit achten Platz noch zittern. Auch die Kölner Haie, die mit einer neuformierten Millionentruppe vor Saisonbeginn noch mehr als optimistisch in die Zukunft blickten („Wir werden in der Liga großen Schaden anrichten“ – Shawn Lalonde), befinden sich mitten im Kampf um die Playoffs. Es trennt sie nur zwei Punkte zu einem Nicht-Playoff-Platz. Jetzt müssen die Haie in ihrem vielleicht letzten Wochenende der Saison punkten – ausgerechnet in den NRW-Derbys gegen Düsseldorf und Iserlohn.

NRW-Hockey wirft gut fünf Stunden vor Beginn des ausverkauften Heimspiels der Haie gegen den Erzrivalen aus Düsseldorf, einen Blick auf entscheidende Personalien.

Die Verletzten:

So leichtfertig der KEC in dieser Spielzeit bereits wichtige Punkte liegen gelassen hat, muss man aber auch festhalten: Glück und Gesundheit blieb den Profis verwehrt. Die ständigen Verletzungen nahmen den Haien wichtige Spieler, wie Alexander Sulzer oder Jason Williams. Das Verletzungspech zieht sich bereits wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. Zuletzt war es Cheftrainer Clouston nicht einmal möglich, vier Reihen aufzustellen. Zwischenzeitlich mussten die gelernten Verteidiger, Pascal Zerressen und Mirko Lüdemann, im Angriff aushelfen. Und auch für das Derby-Wochenende sieht es nicht rosig aus. Zwar kehrt mit Shawn Lalonde ein Verteidiger nach Ablauf seiner Sperre zurück, der in jeder Spielsituation von enormen Wert ist. Allerdings werden die Kölner voraussichtlich weiterhin auf Ryan Jones, Sebastian Uvira und Jason Williams verzichten müssen. Ob Johannes Salmonsson (Oberkörper) und Per Âslund (fehlte gegen München krankheitsbedingt) bereits wieder auflaufen können, ist noch ungewiss.

Gustaf Wesslau:

Ein großer, wenn nicht sogar der größte Grund, warum die Haie sich noch überhaupt im Rennen um die Playoff-Teilnahme befinden, ist Torwart Gustaf Wesslau. Keine Frage, kaum ein anderer Torwart hat in den vergangenen Jahren in der DEL so gut gehalten, wie der 31-jährige Schwede. Und kaum ein anderer musste überhaupt so viel halten, wie er. Wesslau zählt zu den absoluten Vielspielern der Liga. Erst fünf Mal wurde er geschont, nur Ingolstadt-Goalie Timo Pielmeier kommt auf mehr Einsätze (50/50!). Zunächst bittere, später physisch und psychisch anstrengende Spiele, war der Haie-Torwart ausgesetzt. Eine so belastende Saison setzt früher oder später jedem Torwart zu und es scheint, als wäre das Spiel vergangenem Mittwoch das „goldene Spiel zu viel“ gewesen. Ungewöhnlich viele unkontrollierte Abpraller und „Pop-Outs“ aus Wesslaus Fanghand, zudem fehlte nach dem ersten Gegentreffer die sonst so stoische Gelassenheit des routinierten Linksfängers. Ein Formtief kann er sich nicht erlauben. Nicht an diesem Wochenende und nicht in den Playoffs. Ein Gustaf Wesslau in Top-Form kann jedem Team zu einem Playoff-Run verhelfen. Es wird sich nun zeigen, ob Clouston den Haien einen Bärendienst erwiesen hat, indem er dem erfahrenen und fähigen Back-Up-Goalie Daniar Dshunussow, zuletzt keine Spielpraxis und Wesslau somit keine Pause gönnte.

Mirko Lüdemann:

Lüdemann ist kein gewöhnlicher Spieler. Mirko Lüdemann ist eine Ära. Seit der Gründung der DEL flitzt die ewige Nummer 12 über das Eis – immer im Trikot der Kölner Haie. Dass das kölsche Urgestein noch einmal im Angriff aushelfen musste, hätte er wohl vor Saisonbeginn selbst nicht erwartet. Zum Saisonende läuft sein Vertrag aus. Zur Personalie wurde bisher geschwiegen. Wahrscheinlich erwarten Fans, Spieler und Verantwortliche der Kölner Haie, dass man die Playoffs erreicht und ein Abschied so noch möglichst weit in der Zukunft liegt. Allerdings könnte das heutige Derby, am 04.03.2016, bereits das letzte Heimspiel Lüdemanns sein. Nämlich wenn das Worst-Case-Szenario eintritt und dem KEC der Playoff-Einzug nicht gelingt. Ein Abschied, der eventuell während Rechnerei und Spekulationen um die Endrunden-Qualifikation untergeht, obwohl es in Zukunft wohl keinen vergleichbar Großen geben werden kann.

Die Kölner Haie sind übrigens das einzige DEL-Team aus Nordrhein-Westfalen, das noch um die Teilnahme kämpft. Während die Iserlohn Roosters und die DEG bereits sicher für das DEL-Viertelfinale qualifiziert sind, kämpfen die Krefeld Pinguine nur noch gegen Schwenningen um den vorletzten Platz und somit um die goldene Ananas.

Das Restprogramm der direkten Konkurrenz:

Ader Mannheim (73 Punkte):

Vs. Straubing Tigers (H)

Vs. Eisbären Berlin (A)

Straubing Tigers (72 Punkte):

Vs. Adler Mannheim (A)

Vs. Hamburg Freezers (H)

Hamburg Freezers (69 Punkte):

Vs. Iserlohn Roosters (H)

Vs. Straubing Tigers (A)

Augsburger Panther (66 Punkte):

Vs. ERC Ingolstadt (H)

Vs. Krefeld Pinguine (A)

Von Johannes Scholl

Journalist und Eishockeyspieler instagram: bettercallscholl

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