Wohnbau Moskitos EssenGestern stand die erste Bewährungsprobe in der neuen DEB-Oberliga-Nord des neuformierten Teams des ESC Wohnbau-Moskitos Essen auf dem Programm. Nach mehr oder weniger nicht einzuordnenden Vorbereitungsspielen die erste Standortbestimmung, die man durchaus als gelungen bezeichnen kann.

Coach Frank Gentges hat ein völlig neues Team zusammengestellt. Viele junge Spieler zieren den Kader. Als Leitwölfe sind die „Jungsenioren“ Michal Velecky und der Kapitän Jan Barta mit dabei. Stellt sich für viele natürlich die Frage, ob das gut gehen kann. Ich konnte gestern völlig anderes Eishockey erleben am Westbahnhof. Es erinnerte mich schon ziemlich an DNL-Eishockey oder an die seinerzeitige DEG 1b, die mit ähnlichem Altersschnitt in der damaligen Regionalliga-West mit ähnlicher Spielweise und Kaderzusammenstellung für Aufsehen sorgte. Die Jungen geben Gas, soweit die Füße tragen. Es wird mit Körper gespielt und das Wichtigste, man präsentiert sich als ein Team. Jeder hilft dem Anderen wo er nur kann. Das von vorneherein die Einstellung stimmen wird, darf man durchaus erwarten. Sie spielen ja nicht in Essen, weil es dort das große Geld zu verdienen gibt.

Essen kooperiert mit mehreren DEL-Clubs aus der Nachbarschaft, die über seinerzeitige Kooperationen mit Duisburg Spieler ans Profieishockey herangeführt haben. In Essen wird also derzeit nicht mit großem Geld, sondern viel mehr mit dem weiterleben des Traums bezahlt, über das Sprungbrett Westbahnhof Hobby zum Beruf zu machen.

Der Kader ist nicht wirklich üppig besetzt. Schon vor dem gestrigen Spiel musste Andrej Bires aufgrund einer Muskelverletzung passen. In der 18. Spielminute wurde Mathias Vostarek aus dem Spiel genommen, der wohl auch mehrere Wochen ausfallen wird. Dann wird es schon eng, wenn nicht mehr vier Reihen auflaufen können. Das war gestern schön zu sehen. Herne zunächst spielbestimmend und mit Chancen, der der gut aufgelegte Haniball Weitzmann ziemlich abgeklärt entschärfen konnte. Essen immer wieder mit Kontern, manchmal auch resultierend aus Fehlern im Herner Aufbau, der für meinen Geschmack viel zu statisch ablief. Mit dem Führungstreffer wurde das Spiel sicherer und bei dem Gast vom Gysenberg vermisste ich jeglichen Esprit. Als nach 4 Minuten im 2. Drittel das 2-0 fiel, hatte Essen das Spiel ganz gut im Griff. Man hatte weitere Chancen und begann sich, die Führung zu verdienen. Das sah ganz gut aus, bis man kurz vor Drittelende den Puck nicht aus der Gefahrenzone hinaus bekam und im Gewühl nach 38.41 Minuten den Anschluss kassierte. Das letzte Drittel ist schnell erzählt. Essen verlor zusehends die Zuordnung, Herne hatte mehr Platz und vor allem eine gehörige Portion mehr Routine. Diese spielten die Gäste ziemlich gnadenlos aus. Der Ausgleich fiel, nachdem Essen sich nur durch mehrere unerlaubte Weitschüsse wehren konnte. Wechsel waren nicht möglich und vielleicht wäre das der Zeitpunkt für eine Auszeit gewesen um Luft zu holen. So ließ Herne Puck und Gegner laufen und konnte ausgleichen und innerhalb von fünf Minuten auf 2-4 davonziehen. Danach fehlte Kraft und Präzision im Essener Spiel und die Uhr lief herunter.

Als Fazit bleibt, daß Herne schlussendendlich verdient gewonnen hat. Es sollte aber jedem klar sein, daß es auch für einen Heimsieg der jungen Wilden hätte reichen können.

Sonntag steht der nächste Prüfstein für die Gentges-Truppe auf dem Programm. Sie spielen beim Favoriten aus Duisburg, die nicht nur Routine wie Herne mitbringen, sondern ein gehöriges Maß an individueller Qualität. Das sind aber die Spiele, bei denen die Jungen am meisten Lernen können.
Bleibt die Frage, ob der Weg auch erfolgreich oder nur alternativlos ist. Zumindest wird er reichlich steinig werden. Sicher ist aber auch, daß die Zuschauer ziemlich ehrliches Eishockey mit hoher Einsatzbereitschaft zu sehen bekommen, die doch über manchen Fehler hinwegsehen lassen. Ich kann nur hoffen, daß die gestrigen Zuschauer und die Wirtschaft das ähnlich sehen und dieses Projekt angemessen unterstützen.

Für NRW-Hockey: Christa Stüber