Bully im Mittelkreis, die Kölner Haie haben soeben ein Tor erzielt. „TOOOOR für die Kölner…“, schallt eine vertraute Stimme aus den Boxen in der LANXESS arena. Die Haie-Fans beenden den Satz mit einem lauten „Haie!“. Doch wer steckt eigentlich hinter den Tor-Ansagen, den Interviews in der Drittelpause und dem Ankündigen der Spieler beim Einlaufen? Die Antwort: Oliver Frühauf! Ich stelle Ihnen die „Stimme der Kölner Haie“ einmal genauer vor…

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Oliver Frühauf sitzt schon seit zwölf Jahren hinter dem Sprechertisch in der LANXESS arena, damals noch Kölnarena genannt. Das NetCologne-Fan-TV moderiert er sogar schon seit 1997. Als Fan hört man ihn in der Regel nur sprechen und sieht ihn in den Drittelpausen auf dem Videowürfel, aber wie läuft eigentlich so ein Spieltag als Arenasprecher wirklich ab?

„In der Regel komme ich 2 1/2 Stunden vor dem Spiel in die Arena. Dann schaue ich mir die Aufstellungen beider Teams an, was ab und zu auch etwas dauern kann, da die Gästemannschaft gerne mal Verspätung hat. Dann gucke ich mir die Aussprache der gegnerischen Spieler an, da es da ja auch manchmal Spieler gibt, die man noch nicht so gut kennt und gehe die Namen dann mit den Mannschaftsbetreuern von denen durch. Ich finde das immer etwas peinlich, wenn man die Namen der Spieler komplett falsch ausspricht. Wenn du zum Beispiel Franko-Kanadier englisch aussprichst oder so etwas in der Art. Das heißt allerdings nicht, dass das dann immer korrekt ist. Da habe ich auch schon die Erfahrung gemacht, dass der Mannschaftsbetreuer nicht so genau weiß, wie die Spieler richtig ausgesprochen werden. Ansonsten erstelle ich noch die Mannschaftsaufstellungen, mache mir ein paar Notizen und bereite mich auf das Fan-TV vor. Für das Spiel selber muss man dann nicht mehr viel vorbereiten, denn Strafen durchgeben und so weiter ist dann das alltägliche Geschäft.“

Hauptberuflich arbeitet Frühauf für Radio-Erft, Radio Köln und Radio NRW, moderiert dort und plant unter anderem Sendungen. In den zwölf Jahren als Stadionsprecher hat ihn seine Arbeit dennoch erst ein einziges Mal davon abgehalten, seiner „Bestimmung“ in der Spielstätte der Kölner Haie nachzugehen.

„Ich habe ausgerechnet das Derby gegen Düsseldorf vor zwei Jahren verpasst. Das war das erste Spiel, das ich jemals verpasst habe. Da hatten wir mit dem Radio-Sender eine Jubiläumssendung, die ich unbedingt moderieren sollte, weil ich eben schon so lange bei dem Sender dabei war. Und da ließ mein Chef so gar nicht mit sich reden. Das lief dann auch von Haie-Chef zu Radio-Chef und immer hin und her. Aber es ließ sich nicht mehr regeln und so wurde ich dann bei dem Haie-Spiel vertreten.“

Nicht selten gibt es Spieler, deren Namen die Stadionsprecher der DEL zur Verzweiflung treiben. Ob Jason Bacashihua (damals Straubing Tigers), Matt Dzieduszycki (damals Grizzly Adams Wolfsburg) oder Ex-Hai Kevin Hecquefeuille (heute in Langnau, Schweiz aktiv) – sie alle tragen Namen, die anfangs die Zungen mancher Fans verknoten ließen.

„Probleme mit Spielernamen hatte ich bisher nur bei den WM-Spielen vor einigen Jahren in Köln. Im weißrussischen Team waren einige Namen, wo ich fünf Mal bei den Betreuern nachfragen musste. Aber die haben auch kein Englisch gesprochen und die Namen eben immer russisch ausgesprochen und so habe ich wirklich nichts verstanden. Aber wir haben ja Gott sei Dank bei den Haien jemanden, der russisch spricht. Der hat mir das dann noch einmal erklärt. Namen wie Matt Dzieduszycki finde ich gar nicht so schlimm. Die sind ja auch was länger schon in der Liga. Solche Namen muss man eben anfangs paar Mal üben, aber dann klappt das auch.“

Quelle: Scholl
Quelle: Scholl

In dieser langen Zeit hat der 45-Jährige natürlich auch viele emotionale Momente hautnah miterlebt.

„Der emotionalste Moment war leider ein nicht ganz so schöner. Die ganze Geschichte rund um Robert Müller. Das nimmt dich natürlich schon ein bisschen mit, wenn du eben Interview führst und mit ihm selber sprichst. Das geht dir dann alles so durch den Kopf. Und wenn er dann auf einmal nicht mehr da ist… Aber ansonsten waren da natürlich auch die Meisterschaften im positiven Sinne. 2002 war wirklich herausragend. Die Dwayne Norris-, Alex Hicks- und Dave McLlwain-Phase, als die da noch alle rumgezaubert haben. Das war wirklich klasse.“

Auch unter den altbekannten Haie-Cracks ist Frühauf anerkannt und trägt einen Kultstatus mit sich. „Olli hat auch unter uns Spielern einen absoluten Kult-Status! Seitdem ich die Haie kenne, ist er die Stimme der Haie“, sagt KEC-Ikone Moritz Müller über Frühauf.

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Aus dem Archiv von NRW-Hockey-Redakteur Johannes Scholl. Das Interview fand im März 2015 statt.

Von Johannes Scholl

Journalist und Eishockeyspieler instagram: bettercallscholl

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