düsseldorfer eg
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Ratlosigkeit im Angriff der Düsseldorfer EG.

Für die Düsseldorfer EG gibt es auch nach den Abgängen wichtiger Spieler im Sommer nur ein Ziel: die Playoffs. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird das jedoch eine extrem schwierige Aufgabe.

In 15 Spieltagen kam die Düsseldorfer EG bislang nur auf sechs Siege, womit die Rot-Gelben auf dem 11. Tabellenplatz der Deutschen Eishockey Liga stehen. Nach einem starken Halbfinalauftritt gegen den ERC Ingolstadt in den Playoffs der Saison 2014/2015 ist das natürlich eindeutig zu wenig. Gründe für solche schwierigen Phasen sind in der Regel nicht einfach festzumachen, doch bei der DEG läuft das diesmal anders.

Mit nur 33 Treffern in dieser Spielzeit, also durchschnittlich 2,2 pro Spiel, ist Düsseldorf das ungefährlichste Team vor dem gegnerischen Tor. Im Vergleich, Ingolstadt ist die zweitschwächste Mannschaft in dieser Kategorie mit 39 Treffern; die Augsburger Panther, Kölner Haie und Adler Mannheim konnten die Scheibe je 49 Mal im gegnerischen Gehäuse unterbringen und sind damit die torgefährlichsten Teams der Liga. Das Fazit ist hier sehr einfach: wenn du keine Tore schießt, kannst du das Spiel auch nicht gewinnen. Mit anderen Worten, gewinnen tut der, der ein Tor mehr schießt als der Gegner – und das tut die DEG momentan eher selten. Da helfen auch die starken Leistungen von Mathias Niederberger nicht immer weiter.

Nach der gestrigen 1:4-Niederlage (0:2, 1:0, 0:2) gegen Mannheim antwortete DEG-Verteidiger Bernhard Ebner Folgendes auf die Frage, ob die Adler einfach besser waren. „Ich denke nicht. Wir haben zu viele Fehler gemacht“, so der 25-Jährige. „Ich will das nicht auf Glück oder Pech schieben. Wenn wir alleine aufs Tor zulaufen, sollten wir ihn auch reinmachen können.“ Da ist ohne Zweifel etwas Wahres dran. Wie schon letzten Sonntag, als man sich gegen den EHC Red Bull München geschlagen geben musste, gab es auch diesmal wieder zahlreiche Chancen. Nutzen konnten die Düsseldorfer aber nur eine davon.

Im Puckbesitz stark

Was genau falsch läuft, lässt sich hervorragend in Zahlen darstellen – genauer gesagt in Corsi. Corsi, was ist denn das? Vor gut zwei Jahren wurde ein Amerikaner namens Tim Barnes, auch bekannt als Vic Ferrari, mit seinen sogenannten „advanced statistics“ (zu deutsch: fortgeschrittene Statistiken) bekannt. Diese sind in der amerikanischen NHL in der Spiel-, Spieler- und Mannschaftsanalyse mittlerweile kaum noch wegzudenken. Dazu gehört eben auch die Corsi-Statistik, mit den Bestandteilen Corsi For, Corsi Against, Corsi-Differenz und Corsi Percentage, welche sich folgendermaßen berechnen lassen:

Corsi For = Schüsse aufs Tor + Schüsse neben das Tor + geblockte Schüsse
Corsi Against = Gegnerische Schüsse aufs Tor + gegnerische Schüsse neben das Tor + gegnerische geblockte Schüsse
Corsi-Differenz = Corsi For – Corsi Against
Corsi Percentage = Corsi For / Corsi Gesamt

Es sieht anfangs etwas kompliziert aus, soll letztendlich aber nichts anderes ausdrücken als den Puckbesitz. Damit eine Mannschaft Schüsse abgeben kann, muss sie logischerweise auch in Puckbesitz sein. Daher lässt sich der Scheibenbesitz ausdrücken, obwohl er nicht so einfach wie im Fußball dargestellt werden kann. Der Fokus liegt dabei auf fünf gegen fünf Situationen, da eine Mannschaft in Überzahl in der Regel kontinuierlich im Angriffsdrittel festsitzt. Nun aber zurück zur DEG.

Im Spiel gegen Mannheim stand es nach Corsi 35:36 in fünf gegen fünf Situationen. Rechnet man auch das Überzahlspiel ein, stand es sogar 61:46 für die DEG. Was sagt uns das nun? Zunächst einmal ist klar erkennbar, dass Düsseldorf den Adlern eindeutig nicht unterlegen war, wie es auch Bernhard Ebner erkannt hatte. Ganz im Gegenteil, nach Puckbesitz war es ein sehr ausgeglichenes Spiel, wobei Düsseldorf in Überzahl einige Schussversuche mehr hatte als der Gegner. Woran lag es also, dass das Endergebnis 1:4 lautet?

Im Angriff kreativlos und ungenau

Schaut man sich an, wie viele Schüsse tatsächlich den Weg auf das gegnerische Tor gefunden haben, wird eins sofort deutlich – Düsseldorf war grundsätzlich nicht unterlegen, im Abschluss aber viel zu ungenau. Nach Torschüssen war Mannheim der DEG mit 32:18 klar überlegen. Demzufolge gingen 69,57 Prozent der Mannheimer Schüsse auch aufs Tor, während nur 29,5 Prozent der Düsseldorfer Schüsse dort ankamen, wo sie hin sollten – ein Klassenunterschied. Die Frage lautet, stimmt das denn wirklich? Ist die DEG tatsächlich eine Klasse schlechter als Mannheim? Die Antwort liegt – besonders in Anbetracht der Corsi-Statistik – auf der Hand: natürlich nicht.

Der Kader der Düsseldorfer ist sowohl quantitativ als auch qualitativ hochkarätig besetzt. Leider kamen die Top-Stürmer wie Daniel Kreutzer, Travis Turnbull und Norman Milley bisher aber noch nicht so richtig in Fahrt. Das ist nicht der individuellen Klasse der Spieler, sondern viel mehr dem Spielsystem der Mannschaft zuzuschreiben. Zwar kann sich das Team von Christof Kreutzer häufig in der gegnerischen Zone festsetzen, ist dann aber viel zu unkreativ. Pässe entlang der Bande, hin und her, aber ohne jegliche Gefahr für den gegnerischen Torhüter. Selbst in Überzahl gibt es kaum gefährliche Pässe vor das Tor. Das Resultat sind in der Regel Schüsse, die niemals die Chance hatten, ihren Weg ins Tor zu finden – und so kommt man zu einer Corsi-Differenz von 15, ohne jegliche Torgefahr auszustrahlen.

Wenn es dann doch einmal gefährlich wird, kommt womöglich etwas Pech, aber auch mangelnde Konzentration und schlampige Technik hinzu. Wenn einmal der Wurm drin ist, dann wird es von Spiel zu Spiel schwieriger, daran etwas zu ändern. Gelegentlich gelingt es zwar, einen Meisterschaftsfavoriten wie Berlin mit 2:0 zu schlagen, dafür wird dann aber eine überragende Leistung des Torhüters benötigt.

Die Grundlage ist bereits da, für die Playoffs wird es so aber nicht reichen. Morgen geht es nach Iserlohn, übernächsten Freitag in die Hauptstadt – es wird also keinesfalls einfacher. Daher sollte sich Christof Kreutzer in den nächsten Wochen etwas einfallen lassen, damit es bald zumindest etwas besser aussieht, vor allem im Hinblick auf den Tabellenplatz.

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