Foto: Scholl
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München sichert sich mit einem deutlichen 5:1 den ersten Matchball der Halbfinal-Serie

KÖLN Der EHC Red Bull München konnte sich mit einem 5:1-Sieg vor 15.087 Zuschauern in der Kölner LANXESS arena den ersten Matchball im Kampf um das DEL-Finale sichern. Dabei zeigten die Bullen Hörner und ließen den sonst gewohnt heimstarken Haien keine Chance.

Die Kölner Haie gingen ohne Veränderungen zu Sonntag ins Spiel. Verletzungsbedingt musste das Team von Cheftrainer Cory Clouston weiterhin auf Jean-Francious Boucher, Jason Williams und Sebastian Uvira verzichten. Auch EHC-Trainer Don Jackson schwört weiter auf seine Erfolgstruppe. Und das zurecht. Nur selten ließen sie den achtfachen Meister aus Köln zu Großchancen kommen. Die sonst überragende Reihe, rund um Philip Gogulla (wurde zum DEL-Spieler des Monats März ernannt) und Patrick Hager, wurde komplett aus dem Spiel genommen. Vorne stießen sie dann gnadenlos zu.

„We were fortunate to score the first goal“

Im ersten Drittel starteten beide Mannschaften hungrig ins Spiel. Trainer und Spieler wussten, dass in dieser Serie ein frühes Tor wichtig ist, um zeitnah die Weichen zu stellen. Das bestätigte München-Trainer Don Jackson auch auf der anschließenden Pressekonferenz: „Wir hatten Glück, dass wir das erste Tor in diesem Spiel erzielt haben. […] Wir haben eine Menge Respekt vor diesen Spielern. Wir müssen immer so spielen, als wäre es knapp.“

Die Haie rannten an, wurden aber von – defensiv sehr konsequent arbeitenden – Münchnern zur richtigen Zeit gestoppt. Auch die Red Bulls sollten es zunächst nicht besser machen und scheiterten mehrmals an Haie-Goalie Gustaf Wesslau.

München gelang es immer weiter besser ins Spiel zu kommen und ließ im eigenen Drittel gar nichts mehr zu. Dafür drehten sie sogar vorne noch weiter auf und kamen durch Jeremy Dehner nach einem Querpass zum nicht unverdienten 1:0-Führungstreffer (9.). Davon zeigte sich der KEC sichtlich beeindruckt und je länger der erste Durchgang dauerte, desto mehr gerieten die Rheinländer unter Druck. Noch in derselben Spielminute entgingen die Kölner nur knapp dem 0:2-Rückstand, als einmal mehr ein schneller Konter von Wesslau pariert werden musste. So blieb es bei einem knappen Rückstand.

Diesen galt es im Mitteldrittel zu egalisieren. Nach einer überstandenen Unterzahl-Situation, zeigten die Haie Zähne und kamen direkt zu mehreren Gelegenheiten, das Spiel zu drehen. Erst scheiterte Stürmer Alex Weiß am bereits geschlagenen Goalie (25.), dann umkurvt Andreas Falk München-Torwart David Leggio, zielt aber zu genau und schießt über das leere Tor (25.).

Und wer die Chancen vorne nicht nutzt, der wird in der Regel dafür bestraft – von diesem ungeschriebenen Gesetz blieben auch die Kölner Haie nicht verschont. Nach einer schönen Kombination gelang den Bullen in Person von Jerome Samson die – aus Münchener Sicht – perfekte Antwort auf die aufbäumenden Haie (26.). Und das war – laut Trainer Clouston – der „Neck-Breaker“ für den KEC: „Für mich war das zweite Gegentor der Wendepunkt des Spiels. Wir hatten zuvor jede Menge Chancen, den Ausgleich zu erzielen und so Momentum zu gewinnen. Das haben wir allerdings nicht und stattdessen das Tor kassiert. Das hat uns den Wind aus den Segeln genommen.“

Diese reagierten nun wieder mit vielen Fehlpässen. Phasenweise mag dieses Spiel den treuen Fan an das Hauptrunden-Tief (damals noch unter Ex-Trainer Niklas Sundblad) erinnert haben. Auch in diesem Drittel ließ die logische Konsequenz nicht lange auf sich warten. Denn in der 34. Spielminute gelang dem EHC sogar noch das 3:0. Dass die Haie sich noch Hoffnungen auf ein spektakuläres Comeback im Nürnberger Stil machen durften, war am Ende dem Pfosten zu verdanken, der nach einem Fehlpass von Philip Gogulla rettete.

Diese Hoffnungen sollten allerdings schlagartig im Schlussdrittel verpuffen. München benötigte nämlich nur 24 Sekunden, um die Führung auf ein entspannendes 4:0 zu erhöhen. Ein Anschlusstreffer von Patrick Hager im Powerplay (47.), sollte aber nur Ergebniskosmetik sein.

Der EHC Red Bull München setzte bei wütenden Kölner Angriffen auf Konter und stellte umgehend die alte Vier-Tore-Führung wieder her (48.), Torschütze war Michael Wolf.

Die richtigen Worte fand Trainer Cory Clouston nach dem Spiel: „Wir müssen unsere Chancen nutzen. Wir haben durch die liegengelassenen Möglichkeiten nicht das nötige Momentum erhalten.“

Die einzigen Gewinner aus Kölner Perspektive, waren die eigenen Fans, die trotz der hohen Niederlage die Mannschaft mit stehenden Ovationen und unter Applaus verabschiedete.

Ob in der Hauptrunde, den Pre-Playoffs gegen Mannheim oder dem Viertelfinale gegen Berlin. Die Haie stehen wieder einmal mit dem Rücken zur Wand. München kann in Spiel 5 am Freitag den Sack zu machen und die Final-Tickets buchen. Einen Hoffnungsschimmer für Spiel 5 gibt es aber: Leistungsträger Boucher nimmt bereits wieder am Trainingsbetrieb der Haie teil.

Von Johannes Scholl

Journalist und Eishockeyspieler instagram: bettercallscholl

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