Nach nur sieben Punkten aus neun Spielen und einer 6:2 Niederlage am vergangenen Freitag gegen die Kölner Haie war die Stimmung beim Heimspiel am Sonntag gegen den amtierenden Meister Adler Mannheim sehr gedrückt und die Fanlager gespalten.

Es herrschte auf den Rängen Uneinigkeit. Der eine Teil schwieg und wollte damit seinen Unmut gegenüber der Führung der Krefeld Pinguine äußern und der andere Teil stand hinter dem Team und versuchte wenigstens so etwas wie Atmosphäre aufkommen zu lassen. Abgesehen vom Freudentaumel nach 59 Sekunden den Martin Schymainski mit der 1:0 Führung auslöste war die Stimmung ungewohnt im KönigPalast.

Die Fans der Krefeld Pinguine fordern einen Wechsel hinter der Bande

Nach den letzten Personalentscheidungen und der Talfahrt steht Rick Adduono bei den Fans in der Kritik
Nach den letzten Personalentscheidungen und der Talfahrt steht Rick Adduono bei den Fans in der Kritik

Als Rick Adduono im Dezember 2009 den Job als Trainer hinter der Bande übernahm, war die Euphorie über den sympathischen Kanadier groß. Er galt als Motivationskünstler und hatte zuvor mit den Iserlohn Roosters bewiesen, dass man auch mit kleinem Budget Großes leisten kann. So führte Addouno die Sauerländer ins Viertelfinale, was damals der größte Triumph deren Vereinshistorie war. Er schaffte es zwar nicht mehr die Pinguine in die Playoffs zu führen aber hinterließ einen positiven Eindruck bei den Fans und sie wurden in der Folgesaison mit dem größten Erfolg seit 2003 belohnt, denn die Pinguine erreichten das Halbfinale, welches Krefeld an Wolfsburg verlor. Es folgte danach Ernüchterung, denn die Pinguine verpassten durch viele Verletzungen in der Folgesaison die Playoffs und Adduono geriet das erste Mal ins Visier der Fans. Die sportliche Leitung entschied sich seinerzeit trotzdem Adduono den Rücken zu stärken, was sich im Nachhinein als Richtig erwiesen hat, denn es folgte wieder das Halb- und Viertelfinale, sowie eine Playoffqualifikation die letzte Saison abermals an Wolfsburg ging.

Was ist anders?
Anders als in den Jahren zuvor begann beim KEV ein Umbruch und man verlor zusehens Führungsspieler wie Richard Pavlikovský, Dusan Milo, Boris Blank, François Méthot, Sinan Akdag oder Kevin Clark um nur Einige zu nennen. Diese Spieler konnten nicht 1 zu 1 ersetzt werden. Auch auf dem Transfermarkt hatte man nicht nochmal wie mit Clark oder Voakes das große Los gezogen, sondern sich mit Spielern aus der DEL2 oder der EBEL begnügt, die sich für eine Führungsrolle bei den Pinguinen derzeit noch nicht eignen. Aus der Not heraus integriert man viele junge Spieler in die Mannschaft, was zwangsläufig dazu führt, dass im Profibusiness keine konstanten Leistungen abgerufen werden können. Innerhalb der Mannschaft war schon in der Vorbereitung eine Unsicherheit sichtbar und Adduono gelang es auch nicht die passende Formation zu finden. Er rotierte in jedem Spiel, wirkte für Außenstehende ratlos und wurde wegen mangelnder taktischer Fähigkeiten in der Krefelder Lokalpresse kritisiert, was dazu führte, dass die Forderung nach einem Wechsel immer lauter wird.

Was muss passieren?
Die Pinguine sollten dringend den Dialog mit den Fans suchen. 3.641 Zuschauer gegen den deutschen Meister sind auch für einen milden Oktober zu wenig. In den ersten vier Heimspielen wollten nur 15.667 Zuschauer die Pinguine sehen, was einem Zuschauerschnitt von 3.916 entspricht (Ziel:5.000). Nicht nur die sportliche Talfahrt ist eine Baustelle der Pinguine – auch rund um den KönigPalast gibt es Diskussionsbedarf. Die Aufbruchstimmung „Nur der KEV“ ist nach Robert Haake gänzlich verloren gegangen und die Pinguine täten gut daran den neuen Geschäftsführer mit kreativen Ideen die Marke Krefeld Pinguine zu stärken.

Rick Adduonos Arbeit muss kritisch hinterfragt werden, aber ohne in Aktionismus zu verfallen. Er ist dazu verdammt Erfolge einzufahren und

Auf Neuzugang Scott Valentine bauen die Pinguine in der Defensive (c) www.icepingu.de
Auf Neuzugang Scott Valentine bauen die Pinguine in der Defensive (c) www.icepingu.de

deshalb sollte die sportliche Leitung nicht zu lange warten, um eine Änderung vorzunehmen, wenn man den KönigPalast nicht noch leerer spielen will. Es gilt das Bestmögliche in den sechs verbleibenden Spielen bis vor der Deutschland-Cup Pause aus der Mannschaft zu holen, um dann zu analysieren, wo die Reise hingeht. Adduono gelang es in den letzten Jahren immer das Team in Unterzahl gut zu positionieren. Hier müssen die Pinguine wieder zu alter Stärke finden, was mit der Verpflichtung von Verteidiger Scott Valentine möglich sein sollte.

Experimentelles Reihenumstellen und die damit verbundene Unsicherheit die in den ersten Spielen zu katastrophalen Ergebnissen geführt hat, sollten unterlassen werden. Wie man im Spiel gegen Mannheim sehen konnte, kann man mit Ruhe ein deutlich stärker werdenen Gegner kontrollieren und so wichtige Punkte einfahren.

Rick Adduono könnte alternativ im Falle eines Misserfolgs für die Pinguine als Sportmanager platziert werden, wie es die Pinguine in der Vergangenheit bereits schon mal mit Jiri Ehrenberger praktiziert haben. Im Gegenzug könnten sie sich auf einen jungen Trainer, der sich ganz Besonders mit den deutschen Spielern auskennt, konzentrieren. Franz Fritzmeier Junior hat mit dem Kooperationspartner EV Duisburg hervorragende Arbeit geleistet und bildet derzeit bei den Kölner Haien neben Trainer Niklas Sundblad und Petri Liimatainen das Trainerteam und wartet auf eine Gelegenheit als Cheftrainer in der DEL Fuss zu fassen. Alternativ wäre sicherlich auch Todd Björkstrand für die DEL interessant. Der 52-jährige Amerikaner war zuletzt 26 Jahre bei Herning Blue Fox in Dänemark aktiv, wovon er 14 Saisons als aktiver Spieler insgesamt sieben Meisterschaften holte und weitere drei Male das Play-off-Finale erreichte. Unmittelbar im Anschluss an sein Karriereende als Spieler übernahm Bjorkstrand 2002 das Amt des Cheftrainers bei den Herning Blue Fox, die er bis zum Ende der Saison 2013/14 trainierte und in dieser Zeit mit dem Team sechs Meisterschaften, sowie zwei dänische Eishockeypokale gewann. Zur Saison 2014-15 suchte er eine neue Herausforderung und wechselte zu den Graz 99ers in die EBEL als Trainer und Manager, aber konnte dort die Erwartungen nicht erfüllen.

Wenn man mit dem Beispiel langfristiger Trainerteams weiter machen möchte, wären das Kandidaten die man sich genauer ansehen sollte.

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